„Autoren über ihre Werke“: Hundert Jahre Urkatastrophe. Der Kolonialvertrag 1919

28.06.2019

Das Buch „Hundert Jahre Urkatastrophe. Der Kolonialvertrag 1919“ unseres niederländischen Autors Peter de Bourgraaf erschien im Oktober 2018 im Cuvillier Verlag und entstand im Zuge seiner internationalen Vortragsreihe.

Über den Autor: Peter de Bourgraaf

Als freier Historiker veröffentlichte der Niederländer Peter de Bourgraaf in der Bundesrepublik Deutschland englisch- und deutschsprachige Debütmonographien. Er lehrt Deutsch in Firmen, Schulen und im Amsterdamer Büro. Seine internationale Vortragsreihe „VICE VERSA Versailles“ läuft seit 2016 in mittlerweile ein halbes Dutzend Staaten. Als Befürwörter einer Neutralitätshistoriographie plädiert de Bourgraaf für eine neue Geschichtsschreibung, die sich das Novum eines internationalen Aufarbeitungsprojekts zum Ziel setzen soll. Letzendlich soll sich da die Europäische Union rühren, für deren Parlament er 2009 kandidierte und die sich neulich nicht mehr durch britischen Widerstand oder Unwillen aufhalten lässt. Der vielseitige Europäer arbeitete unter anderem im Anne-Frank-Museum und lebte insgesamt sieben Jahre in anderen Mitgliedsstaaten, vor allem in Deutschland.

De Bourgraaf über sein Buch:

De Bourgraaf hat extra zum Finale des Endes des Centenaire und für unsere Rubrik „Autoren über ihre Werke“ sein Buch detailliert beschrieben und das Besondere an seinem Werk erläutert:

„Was ist das Besondere an dem authentisch-illustrierten Buch „Hundert Jahre Urkatastrophe. Der Kolonialvertrag“? Erstens verfasste ein niederländischer Historiker das Buch auf Deutsch. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal an sich, was umso mehr auffällt, wenn man das Begehen des Centenaire 2014-2019 bzw. der Jahrhundertgedenkfeier weltweit verfolgt und jetzt am Ende überblicken kann: Nationale Erinnerungskulturen prägen nach wie vor das Geschichtsbild. Dabei verhindern nationale Tabus, dass besonders zum Thema „Ende des Ersten Weltkrieges“ Kräfte und Mittel zum Aufbau einer ganzheitlichen und europäischen Erinnerungskultur zusammengelegt werden. Es gelang weder in den Medien noch im Kreis der Experten, die umstrittene Geschichte 1918/1919 über national geprägte Geschichtsdarstellungen hinaus zu erzählen. Stellen Sie selbst fest, wie im Juni 2019 die historischen Ereignisse „75 Jahre D-Day“ und hundert Jahre „Frieden“ und „Bund von Versailles“ (Schweizer Quellen) thematisiert wurden. Es stellt sich außerdem die Zukunftsfrage, wie man das beachtliche Gefälle zwischen 75 und hundert Jahre alten Ereignissen des Weltkriegszeitalters im Zusammenhang mit einem sicherlich groß gefeierten Centenaire der Zwischenkriegsjahre und des Zweiten Weltkrieges begreifen soll.

Im transeuropäischen Buch des Niederländers finden dem Hauptthema untergeordnete Phänomene wie die ILO, deren Gründung vor hundert Jahren im Pariser Veranstaltungsort im Juni 2019 auf einer zwölftägigen Konferenz in Genf festlich begangen wurde, keine Beachtung. Nach der zielführenden Analyse der Kolonialfrage von 1919 ruft er dazu auf, insgesamt die Geschichte von Weimar/Paris/Versailles sowohl geschichtlich als auch sprachwissenschaftlich neu zu erforschen und international koordiniert aufzuarbeiten. Es wird vielfach verneint, dass neue Forschungserkenntnisse aus dem damaligen dritten Lager der neutralen Staaten herangezogen werden können. Der Amsterdamer und Berliner („Ich habe noch einen Koffer…“) stellte fest, dass Frankreich bzw. Versailles zur „Hundertjahrfeier“ nichts veranstaltete. Als er sich eine Woche vor dem Schlusstag des „erweiterten“ Centenaire an einer internationalen Tagung zum Thema „Demokratie 1919-1939“ in Straßburg beteiligte, wurde ihm das französische Aussetzen im Gespräch mit dem Vertreter des Deutschen Historischen Instituts in Paris bestätigt. Zu ähnlichen Konferenzen wie in Berlin und Paris wurden immer wieder englische, australische, deutsche, französische, kanadische und US-Kollegen etc. eingeladen. Aus neutraler Sicht begegneten sich nach dem klassischen Beispiel der furchtsame Deutsche, dessen Fassung vielfach auf eine tabuisierende Wirkung von Zweitweltkriegserfahrungen zurückgeht und die Anderen, die fast ausnahmslos die überlieferte Siegersprache des imperialistischen Entente-Führers David Lloyd George redeten. Der britische Kriegspremier überrumpelte die Pariser  Konferenz mit Hilfe einer britischen Kolonialdelegation und deren überdurchschnittlichen Einfluss. Lediglich der doppelte Austausch von Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Macron (November 2018) bildete eins der wenigen Beispiele, wo die Jahrhundertgedenkfeier als gemeinsam gelebtes Ereignis begriffen wurde. Aus den Niederlanden stammen nun erste Aufrufe zur Entwicklung einer Neutralitätshistoriographie.

Das Spezielle an „Hundert Jahre Urkatastrophe. Der Kolonialkrieg 1919“ ist, dass das gewöhnliche Bild zum Vertrag von Versailles auf den Kopf gestellt wird. In der historischen Analyse dieser Umkehrung kommt gelegentlich eine Lehre zum Tragen. Es ist dem Autor gelungen, auf der Makroebene eine geschichtliche Parallele zum Tagesgeschehen zu begründen. Man kann sich vorstellen, dass sich die tiefe Zerrissenheit während des wiederholt verlängerten Waffenstillstandes durch die Einwirkungen des englischen Brexit-Chaos wiederholen könne. Wozu vor hundert Jahren eine neue, frisch gebrandmarkte Demokratie gegenüber 27 bzw. 32 Staaten im Lager der britischen Imperialisten zu Paris nicht imstande war, sollte einer neu formierten EU27 durch Zusammenarbeit gelingen: Ein kräftiges Gegensteuern heute wie damals gegen Fehlentwicklungen einer gesättigten Mediendemokratie. Europaweit sollen Staats- oder Verfassungsreform (England, EU) und Demokratiedebatten eingeleitet bzw. gefördert werden. Es darf dabei nicht vor Themen der Autorität Halt gemacht werden. Für Deutschland bedeutet dies, dass die viel gerühmte Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges auf das Weltkriegszeitalter 1914-1945 erweitert werden soll. In der Fortsetzung könne sich die historisch geplagte Nation der Neuheit einer international angelegten Teamarbeit erfreuen.“

(Text von Peter de Bourgraaf)

Dieses beeindruckende Werk mit farbigen Abbildungen richtet sich vor allem an ein geschichtsinteressiertes Publikum und an Fachkreise.

Der Cuvillier Verlag dankt de Bourgraaf für die Erstellung und Bereitstellung dieses Textes und für die enge Zusammenarbeit. Wir sind stolz de Bourgraaf zu unseren Autoren zählen zu dürfen.

Peter de Bourgraaf:  „Hundert Jahre Urkatastrophe. Der Kolonialvertrag 1919

Printausgabe: ISBN: 978-3-7369-9855-1, 19,19 €

Sprache: Deutsch, 156 Seiten, Cuvillier Verlag 2018

 

 

 

 

 

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