Die eigene Leistung richtig verkaufen

Die Zeiten, in denen wissenschaftliches Arbeiten im stillen Kämmerlein stattfand und die Krönung langjähriger Arbeit das (hoffentlich befriedigende) Abstellen von Autoren-Exemplaren im heimischen Buchregal war, sind lange vorbei. Gerade wer im wissenschaftlichen Betrieb arbeitet, hat ein großes Interesse daran, dass seine Arbeiten von Kollegen gefunden und (hoffentlich) zitiert werden. Denn je öfter ein Werk oder eine Veröffentlichung zitiert wird, desto höher ist sein Einfluss auf den Stand der Forschung im Fachgebiet. Dazu wollen wir hier ein paar Tipps geben. Eine Dissertation oder ein Beitrag soll ja gelesen werden, denn nur in der Interaktion mit der realen Welt gewinnt ein Gedanke, eine Idee oder Theorie an Gewicht. Wie also kann eine wissenschaftliche Arbeit bekannt gemacht werden? Wir unterscheiden zwischen dem, was ein Autor selber erstellen kann und wie der Verlag unterstützt, beschränken uns hier aber auf Selbstvermarktung.

Vor der Veröffentlichung

Eure Arbeit ist im Endstadium und Ihr plant die Veröffentlichung. Jetzt ist die richtige Zeit, eine gute Strategie zur Selbstvermarktung zu entwickeln, in der natürlich Social Media eine wichtige Rolle spielt. Facebook, Instagram oder Tumblr sind den meisten ja schon bekannt, fast jeder hat ja zumindest bei Facebook einen Account. Wenn nicht – jetzt sofort erstellen! Einige unter Euch kennen sich ja auch schon mit XING oder LinkedIn aus, zwei wichtigen Business-Netzwerke, wenn man erste Geschäftskontakte entwickeln will. Spätestens mit der geplanten Dissertationsveröffentlichung gehört dann auch ein gut gepflegter Account bei XING und LinkedIn (im internationalen Bereich wichtiger) zum kleinen Einmaleins der Selbstvermarktung. Insbesondere die Suchfunktionen nach Personen, die mit dem eigenen Fachgebiet zu tun haben, sind bei beiden Netzwerken extrem gut entwickelt – und oft findet sich auch eine Fachgruppe, in der man normalerweise schnell Mitglied werden kann.

Aber besonders Facebook ist wichtig: Mehr als ein eigenes Facebook-Profil braucht man nun eine sogenannte Unternehmensseite. Dort stellt Ihr dann nicht Eure letzten Party- oder Reisefotos ein, sondern alles, was rund um Euer Fachgebiet und natürlich Eure Dissertation wichtig ist. So eine Unternehmensseite ist schnell errichtet und sollte Eurem Anliegen entsprechend seriös gestaltet sein. Kleiner Tipp: Spätestens jetzt sollte auch das eigene Profil einmal „geflöht“ werden. Weg mit allen Party- und Comic-Fotos, denn potentielle Arbeitgeber können über Eure Diss auch auf die Facebook-Seite kommen. Gute Tipps dafür zu geben ist schwer – aber versetzt Euch einfach mal in die Lage Eurer Eltern, wenn sie zufällig auf Eure Facebook-Seite kommen. Können Sie das, ohne rot zu werden, ist das Profil schwer Arbeitgegeber-geeignet.

In folgender Reihenfolge sind aktive, d.h. wirklich mit Inhalt gefüllte Accounts mindestens ein halbes Jahr vor Erscheinen der Dissertation notwendig:

  • Facebook
  • Instagramm
  • Xing
  • LinkedIn
  • ResearchGate

Alles andere wie Tumblr usw. ist nett, aber eher eine Spielerei. Natürlich wisst Ihr, dass Ihr wesentliche Inhalte Eurer Doktorarbeit NIEMALS vor dem Druck in Social Media zitieren dürft. Keine Grafik, kein Foto, nichts. Aber es spricht nichts dagegen, etwa bei einer literaturwissenschaftlichen Arbeit in einem geeigneten Literaturblog ein nützliches Zitat zu behandeln. Natürlich niemals so, wie ihr es in der Arbeit schreiben würdet – aber einfach mal die Gedanken dazu vorstellen? Im schlimmsten Fall reagiert niemand, im besten Fall bekommt Ihr ein paar Bemerkungen zum Posts.

Die Facebook-Seite (nicht das Facebook-Profil, sondern die eigene „Unternehmensseite„) kann bis zum Erscheinen der Dissertation problemlos relativ frei bleiben – aber vielleicht findet Ihr bereits Informationen zum Thema, evtl. auch Literatur, die ihr dort vorstellen könnt. Wichtig ist – schreibt. Schreibt über Literatur zum Thema, schreibt über Kongresse – auch wenn Ihr nicht teilnehmt -, schreibt über Zitate, die ihr zu gedenken nehmt. Lasst die Seite aktiv werden.

XING und LinkedIn

Für die Berufstätigkeit sind beide Netzwerke immens wichtig. Wer in Deutschland bleiben will, ist mit XING bestens bedient, wer international arbeiten will, sollte in jedem Fall LinkedIn mit in Betracht ziehen. Wichtig: Hier gelten seriöse Regeln. Gutes Foto, kein Bullshit von der letzten Party posten, sondern akribisch sich selber gut darstellen. Ihr wollt einen Job? Dann erstellt dort einen sauberen Lebenslauf – mit allem, was Ihr ohne Rot zu werden schreiben könnt. Jedes Praktikum, jede Aushilfstätigkeit. Kaffee beim Symposium ausgeteilt? Klar, kurz als Orga-Tätigkeit beim Kongress (Kurzbeschreibung nicht vergessen) darstellen. Hier gilt – nicht kleckern, klotzen.

Dann geht es wie auf Facebook daran, den eigenen Bekanntenkreis zu vergrößern. Sucht in der Fakultät, aber auch bei Professoren, bei denen Ihr mal gehört habt, Eure Doktoren – und dann nach Arbeitskreisen, in denen Ihr weitere potentielle Menschen zum Verlinken finden werdet. Meist ist das mit ein wenig Arbeit verbunden – kein einfaches Klicken wie bei Facebook, man muss schon sagen, warum man sich mit jemandem verlinken will. Aber es hilft.

Wenn Ihr Eure Dissertation richtig in einem Verlag drucken wollt – und für einen richtigen Wissenschaftler dürfte das ja keine Frage sein -, dann solltet Ihr Euch jetzt bereits mit Lektoren und Verlagen verlinken. Denkt daran – jeder Kontakt hilft später!

Große Frage: Eigene Webseite?

Klare Antwort: Nein. Solange man nicht zwanzig oder mehr Publikationen hat, die eigene Vita mit Auszeichnungen und einem Wikipedia-Eintrag angereichert ist, wirkt jede persönliche Homepage überkandidelt. Was aber vielleicht sinnvoll ist: Ein eigener Blog zum Diss-Thema. Warum nicht alles sammeln, was man in den Text als Zitate eingebracht hat und darüber in einem Post sprechen? Mit WordPress lässt sich ein Blog zum eigenen Thema schnell und kostengünstig erstellen, dazu kann man – wenn man es wirklich ernst meint – seine Posts auf den sozialen Medien zentral steuern. Und man lernt extrem viel über die Funktionsweise von Selbstvermarktung.

Es ist soweit: Das Werk ist gedruckt.

Bevor Ihr an neue Visitenkarten denkt: Erst Facebook, XING und LinkedIn aktualisieren. Der neue Titel wirkt, und wer bereits viele Kontakte hat, wird jetzt jede Menge Aufmerksamkeit erlangen. Und natürlich werdet Ihr Euer Buch auf Facebook, XING etc. direkt mit Eurer Autorenseite beim Cuvillier Verlag verlinken – dann erfährt jeder Eurer Kontakte, dass Ihr nun ein wissenschaftlicher Autor seid. Aber der Reihe nach:

  • Aktualisiert Eure Email-Signatur. Stellt einen sehr kurzen, plakativen Text unter Eure Adresse und verlinkt zur Autorenseite. Bei Cuvillier gibt es auch eine Leseprobe – ebenfalls verlinken!
  • Aktualisiert alle Profile, die ihr jemals erstellt habt:
    • Universitäts-Seite
    • Fachbereichsseite
    • Facebook
    • XING und LinkedIN

Dazu verlinkt Ihr auf die Autorenseite und bindet sowohl das Cover sowie die Leseprobe mit ein.

ResearchGate: Prüfen, ob die Veröffentlichung bereits aufgenommen wurde, ansonsten manuell ergänzen.

Ein Tipp unterhalb der Gürtellinie: Ihr kennt doch eine Menge Studis an anderen Unis. Helft Euch gegenseitig und ordert einfach gegenseitig die Publikationen in der örtlichen Bibliothek, denn mit der ISBN Eurer Cuvillier-Publikation ist Eure Dissertation auch im Verzeichnis der lieferbaren Bücher gelistet – und damit kann jede Bibliothek das Buch beim Verlag bestellen. Die Chance ist groß, dass eine Bibliothek bei vier, fünf Anfragen tatsächlich ein Buch ordert – und Eure Expemplare werden dann natürlich verkauft. Wer das an verschiedenen Orten macht, hat große Chancen, dass sein Werk auch gelesen und entsprechend zitiert wird. Und Aufmerksamkeit für Eure Arbeit, das ist es doch, was Ihr wollt.

Jetzt ist es auch Zeit, das eigene Werk in kleinen Teilen zu vermarkten. Glücklich, wer hier seinen eigenen Blog hat: Immer mal wieder ein Thema aus der Arbeit herausbrechen, sich selber zitieren und dann in den Social Media-Kanälen veröffentlichen. Die Suchmaschinen freuen sich darüber, besonders wenn Euer Werk in einem echten wissenschaftlichen Verlag erschienen ist. Denn das zeigt, dass Ihr nicht die „Billig-Variante“ im Eigenverlag oder beim Uni-Verlag gewählt habt, sondern sich ein Verlag die Vermarktung unterstützt. Verlage schalten nämlich Werbung – das freut die Suchmaschinen und erleichtert Euch das berufliche Weiterkommen.

Was der Verlag für Autoren macht, werden wir in einem der kommenden Posts zeigen.