Über die Bedrohung der Deutschen Verlagslandschaft durch Oligopole, Rating Agenturen und Kumulative Veröffentlichungen.

Beruhend auf Gesprächen und Diskussionen mit: Prof. Dr. Gerhard Lauer der Universität Basel (ehemals bei der Georg-August-Universität Göttingen)

Eine Zusammenfassung

Seit Jahren schon herrscht ein unerbittlicher Kampf zwischen den Universitäten, Universitätsbibliotheken und Forschungseinrichtungen jeder Art – und den big players der Verlagswelt: Elsevier, Springer Natures, Thomson Reuters und viele mehr. In einer fast mafiösen Art und Weise schlossen sich viele wissenschaftliche Großverlage und die Rating Agentur Thomson Reuters zu einem Oligopol zusammen, um größtmöglichen Profit zu erzielen. So wurde der Impact Faktor in den 1960ern von dem Institute for Scientific Informationen (nun ein Teil von Thomson Reuters) ersonnen, der ursprünglich dazu da sein sollte, in den naturwissenschaftlichen Disziplinen anzugeben, welchen Einfluss und welche Relevanz ein Text auf andere Forschungsarbeiten hatte.

Schnell wurde deutlich, dass der Errechnungsvorgang der Impact Faktoren weder transparent und nachvollziehbar war noch die Impact Faktoren zwischen den verschiedenen Themenfeldern tatsächlich für Vergleiche genutzt werden konnten. Darüber hinaus führten die Absprache zwischen den Großverlagen und das daraus resultierende massive gegenseitige Zitieren dazu, dass eine hohe Anzahl von Impact Faktoren nicht zwangsläufig eine qualitativ hochwertige Forschungsarbeit auszeichnet, sondern den finanziellen Aufwand der Autoren widerspiegelt. Denn in einem der Oligopolverlage zu veröffentlichen, ist in einem Maße überteuert, das jede Vorstellung von Preis und Leistung sprengt. Wollen die einzelnen Forschenden und damit die Forschungseinrichtung ein wissenschaftliches Standing erlangen, um Drittmittel zu erhalten, so sahen sie sich viele Jahre gezwungen, die horrenden Preise für Veröffentlichungen zu zahlen, obgleich das Forschungsbudget nicht in hinreichender Geschwindigkeit mitwächst. Doch nicht nur die Veröffentlichungen sprengen die finanziellen Möglichkeiten, auch die entsprechenden Abonnements der Großverlage bzw. die Lizenzen für Textzugriffe dieser zwingen die Bibliotheken in die Knie. 60% der Bibliotheksetats wird im Durchschnitt für Abonnements von Elsevier & Co. verbraucht, Tendenz steigend.

Aus diesen finanziellen Engpässen erwuchs Open Access, das das Oligopol entmachten und die Forschung befreien sollte. Es sollte eine Plattform werden, so die Idealvorstellung, wo sowohl das Veröffentlichen als auch das Lesen von Texten völlig kostenlos wäre. Doch schnell wurde auch hier deutlich, dass die Umsetzung eines vollständig kostenlosen Modells schwierig bis unmöglich war. Die Forschungsarbeiten mussten auch einer Qualitätsprüfung unterzogen werden, damit abgesichert wäre, dass Open Access Journals einen relevanten und wichtigen Beitrag zur Forschung leisten können. Veröffentlichungen auf Open Access sind folglich nicht kostenfrei und in bestimmten Fällen sogar sehr kostspielig – eine Artikelveröffentlichung kann bis zu 3000 € kosten. Mit der Peer Review entstand ein ebenso idealisiertes Modell – hier sollten Forschende derselben Disziplinen wie die Autoren Artikel bewerten und sie entsprechend akzeptieren oder ablehnen. Die Realität aber sieht ganz anders aus – bereits völlig überarbeitete wissenschaftliche Mitarbeiter kämpfen sich oftmals unbezahlt durch Unmengen an Artikeln, die nicht ihren Forschungsbereichen zuzuordnen sind. Statt sich also ihrer eigentlichen Aufgabe – dem Forschen und Lehren – zu widmen, richten sie über die Zukunft anderer Forschender. Denn: Wer als kumulativ Promovierender nicht drei Artikel in Journals veröffentlicht, dem bleibt der Weg zum Doktortitel versperrt. In bestimmten Disziplinen (z.B. Medizin, Mathematik, Chemie, etc.) ist nicht nur die kumulative Veröffentlichungsform vorgeschrieben, sondern auch die Veröffentlichung in einem Open Access Journal. Letzteres ist vorgeschrieben, damit man eben nicht in die Hände des Oligopols spielt. Dass allerdings auch die Großverlage Open Access als Plattform für ihre Journals nutzen und dort entsprechend doppelt von den Universitäten bezahlt werden, nämlich für das Veröffentlichen und die Lizenzen für den Zugang zu ebenjenen Veröffentlichungen, verkompliziert und verschärft die Lage aufs Äußerste. Ein Beispiel: Eine Universität bezahlt einerseits bis zu 5600€, um einen Artikel in Elseviers Open Access Journal, The Lancet Infectious Diseases, zu veröffentlichen – und löhnt noch fast 2000€ pro Jahr für die Subskription, d.h. für 12 Journals. Auch die Großverlage nutzen dabei die kostenlose Peer Review und behaupten dennoch, die Preise für Veröffentlichungen in ihren Journals seien mit dem hohen Arbeitsaufwand zu begründen – eine Schmach für alle ausgebeuteten Peer Reviewer.

Dieser Konflikt kann nur an Schärfe und Gefahr zunehmen. Gerade in den genannten Disziplinen ist die interne Kultur bereits so inflexibel, dass eine Rückkehr zur klassischen Monographieveröffentlichungen in Verlagen kaum möglich scheint. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) strebt mit DEAL (Bundesweite Lizenzierung von Angeboten großer Wissenschaftsverlage) Verhandlungen an, um Elsevier und Springer zu moderateren Bedingungen zu zwingen und droht mit der Kündigung bzw. dem Auslaufen von Verträgen bei Nichteinlenkung. Bis zum Oktober 2017 hatten bereits an die 60 Hochschulen und mehr als 20 Forschungseinrichtungen die Verträge mit Elsevier gekündigt – doch der mächtige Verlag kommt DEAL trotz großem Umsatzverlust aufgrund dieser Kündigungen bislang noch nicht entgegen.  Hier sieht man bereits, mit welchem Machtgefälle man es zu tun hat, und wie wichtig ein verstärkter Kampf gegen das Oligopol ist. Nicht nur die Universitäten und Forschenden leiden immens unter der Situation, da sie nicht mehr ihrer originären Aufgabe nachgehen können, sondern auch die mittleren und kleineren Verlage, die von dem Oligopol immer stärker an den Rand gedrängt und oftmals in den Bankrott gezwungen werden. Dies zerstört Schritt für Schritt eine vormals gesunde Verlagslandschaft wie auch den Wissenstandort Deutschland, was nachhaltig allen schaden wird. Die Dringlichkeit der Lage ist daher kaum zu überschätzen. Führende Persönlichkeiten aus Bildung, Politik und Wirtschaft müssen sich daher zusammen tun und gemeinsam versuchen, die mafiöse Macht des Oligopols zu brechen.

 

30 Jahre Erfahrung und über 8.500 Titel verdienen auch Ihr Vertrauen. Veröffentlichen auch Sie bei Cuvillier und werden Teil einer wissenschaftlich-literarischen Gemeinschaft von mehr als 8.500 Autoren.


Veröffentlichen auch Sie bei Cuvillier!

Sie haben auch eine Publikation und suchen einen wissenschaftlichen Fachverlag? Dann senden Sie uns eine kostenlose Anfrage zu. Unsere Lektoren und Autorenbetreuer stehen Ihnen bei Fragen jederzeit zur Verfügung.