Wie wird aus der Himmelsmechanik einer partiellen Sonnenfinsternis ein sichtbares Abbild der Photosphäre? Mit einer selbst gebauten Lochkamera erkundete das Team des Cuvillier Verlags Projektionsoptik, Sonnenphysik und aktuelle astrophysikalische Forschung am Göttinger Nordcampus.
Am 12. August 2026 lud das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) gemeinsam mit dem Institut für Astrophysik und Geophysik der Universität Göttingen und dem Förderkreis Planetarium Göttingen zur „Langen Nacht der Astronomie“ auf den Göttinger Nordcampus ein. Anlass waren zwei besondere Himmelsereignisse: eine partielle Sonnenfinsternis und das nächtliche Maximum des Perseiden-Meteorstroms. Auch ein Teil des Teams des Cuvillier Verlags war vor Ort – ausgestattet mit wissenschaftlicher Neugier, geeigneten Sonnenfinsternisbrillen und einer selbst gebauten Lochkamera.
Das Programm verband aktuelle Forschung mit Möglichkeiten zur eigenen Beobachtung. Vorträge, Planetariumsvorführungen und Informationsstände gaben Einblicke in Sonnenphysik, Planetologie und Astrofotografie. Ergänzend konnten die Besucher*innen das Originalteleskop der Ballonmission Sunrise III besichtigen und Meteorite als materielle Zeugnisse der frühen Entwicklung unseres Sonnensystems kennenlernen.
Auch wenn von Göttingen aus keine Totalität zu beobachten war, führte das Ereignis die präzise Geometrie des Erde-Mond-Sonne-Systems eindrucksvoll vor Augen. Bei einer Sonnenfinsternis tritt der Mond aus Sicht der Erde vor die Sonne. Während einer totalen Finsternis wird die helle Photosphäre vollständig verdeckt, sodass die Sonnenkorona sichtbar wird. In Göttingen blieb ein schmaler Teil der Photosphäre unbedeckt. Dieser war weiterhin so hell, dass eine direkte Beobachtung ausschließlich mit geeignetem Augenschutz möglich war.
Eine technisch besonders einfache und zugleich anschauliche Beobachtungsmethode bot unsere selbst gebaute Lochkamera. Bei dieser fällt das Sonnenlicht durch eine kleine Öffnung und erzeugt auf einer gegenüberliegenden Fläche ein umgekehrtes Projektionsbild. Während der Finsternis erschien die sonst kreisförmige Abbildung der Sonne zunehmend sichelförmig. Das Max-Planck-Institut stand mit seinem professionelleren Modell direkt daneben. Das grundlegende Prinzip der geradlinigen Lichtausbreitung wurde so unmittelbar sichtbar – ein schönes Beispiel dafür, dass sich astronomische Beobachtungen nicht nur mit Großteleskopen, sondern auch mit einfachen Mitteln durchführen lassen.
Mit Einbruch der Dunkelheit verlagerte sich die Aufmerksamkeit von der Sonne auf die Perseiden. Der Meteorstrom entsteht, wenn die Erde auf ihrer Umlaufbahn das vom Kometen 109P/Swift-Tuttle hinterlassene Teilchenfeld durchquert. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre erzeugen die Teilchen die als Sternschnuppen sichtbaren Leuchterscheinungen. Da das Maximum 2026 in eine Neumondnacht fiel, waren die Beobachtungsbedingungen besonders günstig.
Für den Cuvillier Verlag hatten die beobachteten Phänomene einen unmittelbaren Bezug zur eigenen Arbeit. Wissenschaftliche Erkenntnisse entfalten ihre Wirkung nicht allein im Labor oder am Teleskop, sondern auch durch ihre Dokumentation, Publikation und Diskussion. Mit Fachpublikationen unter anderem aus Astronomie, Astrophysik und verwandten Disziplinen trägt der Verlag dazu bei, Forschungsergebnisse dauerhaft zugänglich und sichtbar zu machen.
Die „Lange Nacht der Astronomie“ erinnert uns daran, dass hinter jeder wissenschaftlichen Publikation Menschen stehen, die beobachten, messen, Modelle prüfen und ihre Ergebnisse teilen. Ob mit hoch entwickelten Forschungsinstrumenten oder einer selbst gebauten Lochkamera: Im Mittelpunkt stehen das präzise Beobachten und die Neugier darauf, unser Sonnensystem besser zu verstehen.