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Cuvillier Verlag

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29.04.2020

Kumulative Veröffentlichungen

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Teil 5 der Reihe "Die Unabhängigkeit der Wissensgesellschaft" über kumulative Dissertationen. Eine Einordnung


Im Gegensatz zu monografischen Dissertationen, bei denen Doktoranden eine einzelne Arbeit meist in Buchform einreichen, die dann begutachtet wird, reichen sie bei kumulativen Dissertationen Fachzeitschriften ein, in denen jeweils Teile ihrer Arbeit veröffentlicht wurden. Die Doktorarbeit besteht also nicht aus einem einzelnen Werk sondern mehrerer Artikel, die in Journals (sogenannte wissenschaftlichen Zeitschriften) veröffentlicht wurden.

Folglich werden die Arbeiten nicht von Doktormutter oder -vater bewertet, sondern dem Peer-Review-Prozess einer Zeitschrift unterzogen. Bei dieser Art der Begutachtung bewerten mehrere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen denselben eingereichten Artikel. Einige Wissenschaftler halten dies für eine unabhängigere Form der Bewertung und erhoffen sich durch die Veröffentlichung in einer Zeitschrift mehr Einfluss und Bedeutung, als es bei einer Monographieveröffentlichung der Fall wäre.

Nachteile bei kumulativen Veröffentlichungen

Allerdings überwiegen die Nachteile des kumulativen Modells, denn es vergeht eine sehr lange Zeit, bis Texte in Zeitschriften veröffentlicht und die Dissertation somit bewertet werden kann. „Die kumulative Dissertation ist weder schneller noch besser als die Monographie“, denn, beispielsweise, „[v]oreilig herausgegebene Papers können zu langwierigen Begutachtungsverfahren führen“ (Wiegleb 2013, n.pag.).

Konkret bedeutet die kumulative Dissertation, dass Promovierende zwei bis drei Artikel in wissenschaftlichen Journals veröffentlichen müssen. Allerdings wird nicht jeder Artikel, der bei den Herausgebern einer Zeitschrift eingereicht werden, auch gedruckt und veröffentlicht.

Für gewöhnlich folgt nach der Begutachtung der Aufruf zu Nachbesserungen oder grundlegenden Überarbeitungen. Im schlimmsten Fall wird man abgelehnt und muss es bei einer anderen Zeitschrift versuchen. Ist die Doktorandenstelle nur befristet, so kann diese fehlende Planbarkeit zu großen Konflikten führen, schlimmstenfalls zum Verlust der Stelle. Doch allein die verschwendete Zeit und das fehlende Einkommen während des Wartens sorgen für dringliche Probleme in der Karriere-bzw. Lebensplanung.

Besonders für Promovierende, die nicht an der Universität bleiben und in die Wirtschaft einsteigen wollen, sind die Dauer und die damit zusammenhängenden Opportunitätskosten dieses Prozesses im Journalsektor unhaltbar, denn man muss zum Beispiel als Jurist vier Jahre warten, bis die vorgeschriebene Anzahl an Artikeln in Journals veröffentlicht wurde.

Ein weiterer Faktor sind die erheblichen Kosten für eine Journalveröffentlichung. In der betriebswirtschaftlichen Betrachtung wird deutlich, dass „Elsevier, Springer Nature und Wiley bereits etwa 60 Prozent der Erwerbungsbudgets der wissenschaftlichen Bibliotheken“ beziehen, die also an anderer Stelle fehlen, um neue, wissenschaftlich relevante Werke für die Forschung und Lehre zu erwerben (Hippler 2017, S. 500).

Ausblick

Nach alledem ist die Bekanntheit des Artikels vielfach davon abhängig, wie viele Impact-Faktoren das jeweilige Journal hat, was wiederum nicht durch die Qualität des Journals gesichert wird, sondern durch die Absprache des Verlagsoligopols. Hierzu sei noch anzumerken, dass es gar nicht ausreichend Gutachter geben kann, wenn drei Gutachter oder mehr pro Artikel notwendig sind. Derzeit werden wissenschaftliche Mitarbeiter herangezogen, die ohne Entlohnung bzw. für einen geringen Lohn arbeiten, um dieses System kurzfristig überhaupt aufrecht zu halten. In Zeiten des Mindestlohns ist dies eine kaum zu vertretende Situation, die rechtliche Schritte nach sich ziehen könnte.

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Quellen:

Hippler, Horst. „Inakzeptabel: Publikationskosten und die Marktmacht der Großverlage.“ Forschung & Lehre, Juni 2017. 500-2.

Wiegleb, Gerhard: „Die kumulative Dissertation.“ Academics.at. 2013. https://www.academics.at/wissenschaft/die_kumulative_dissertation_56018.html Abruf am 2017-02-09.

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Weitere Themen der Reihe


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Teil 4

Big_2020_05_13_schwarze_datenbanken

Teil 6