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Unterschiede im Trauerbewältigungsverhalten

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Unterschiede im Trauerbewältigungsverhalten

Wie sich komplizierte Trauer von einfacher Trauer unterscheidet: Eine Studie zur Erfassung von Unterschieden in Persönlichkeitsstilen und Trauerreaktionen Bewältigungsverhalten, Persönlichkeitsstilen und Trauerreaktionen

Carina Braun-Remmers (Autor)

Vorschau

Inhaltsverzeichnis, Datei (70 KB)
Leseprobe, Datei (110 KB)

ISBN-13 (Printausgabe) 386955536X
ISBN-13 (Printausgabe) 9783869555362
ISBN-13 (E-Book) 9783736935365
Sprache Deutsch
Seitenanzahl 228
Umschlagkaschierung glänzend
Auflage 1 Aufl.
Band 0
Erscheinungsort Göttingen
Promotionsort Universität Koblenz-Landau
Erscheinungsdatum 04.11.2010
Allgemeine Einordnung Dissertation
Fachbereiche Psychologie
Schlagwörter Trauer, Verlust, Trauerforschung, Bewätigungsstraegien, Akzeptanz, komplizierte Trauer, Optimismus, Persönlichkeit, Coping, Partnerschaft, Ehe
Beschreibung
Der Tod eines nahe stehenden Menschen ist ein für die meisten Menschen unvermeidbares Ereignis, das einen mehr oder weniger gravierenden Einschnitt in das

eigene Leben bedeutet. Vor allem die Bewältigung des Todes des Ehe- oder Lebenspartners stellt für die meisten Menschen eine große Herausforderung dar. Die
Trauer wird dabei als Reaktion auf den Verlust einer nahestehenden Person mit allgemein normativen und vorhersagbaren Konsequenzen angesehen. Trotz der schmerzhaften und
lang andauernden Intensität der Trauergefühle gelingt es den meisten Menschen, ihren Verlust zu bewältigen und zu integrieren. Für ca. 20 – 40 % der Trauernden trifft dies
allerdings nicht zu. Sie leiden auch noch viele Monate später unter starken Trauerreaktionen, die zu Beeinträchtigungen in vielen Lebensbereichen führen.
Akzeptierte und standardisierte Kriterien für die sogenannte komplizierte Trauerreaktion fehlen jedoch bis dato. Ziel der Studie war es daher, Unterschiede zwischen Personen mit
einfacher Trauerreaktion und Personen mit komplizierter Trauerreaktion zu identifizieren und zu beschreiben. Des Weiteren sollte das von Maercker und Langner (2002)
entwickelte Komplizierte Trauer Modul an einer Stichprobe mit Personen, die ihren Partner verloren hatten, validiert werden.

137 Teilnehmer wurden durch Kontakte zu Seelsorgern, Trauergruppen, Selbsthilfegruppen, Trauerbegleitern und ein Inserat in einer Tageszeitung sowie aus dem
Teilnehmerkreis einer früheren Längsschnittstudie von Remmers (2009) rekrutiert. Um zu überprüfen, ob es Unterschiede zwischen den Trauernden bezüglich der angewandten
Bewältigungsstrategien gibt, füllten die Probanden das Komplizierte Trauer Modul (KTM, Maercker & Langner, 2002) und modifizierte Skalen des COPE (Carver, Scheier &
Weintraub, 1989) sowie Fragebogen zu Persönlichkeitsvariablen, psychischen und somatischen Symptomen aus und wurden anhand der Werte im KTM den Gruppen „Komplizierte Trauer“ oder „Einfache Trauer“ zugeteilt. Aufgrund der Werte im KTM
konnten 37 Personen mit einer komplizierten Trauer identifiziert werden. Alle Teilnehmer mussten ihren Partner vor mindestens 12 Monaten verloren haben.

In Korrelationen und einfaktoriellen Varianzanalysen zeigte sich, dass, je stärker die Fähigkeit zur Akzeptanz ausgeprägt ist, desto niedriger auch die Trauerreaktion ausfällt. Je

besser es einem Trauernden gelingt, seinen Verlust positiv neu zu bewerten, desto geringer fällt die Intensität der Intrusion und der Depression aus. Die Fähigkeit zur Akzeptanz und
zur positiven Neubewertung ist bei einfach Trauernden wesentlich stärker ausgeprägt als bei kompliziert Trauernden. Auch Optimismus scheint einen Schutzfaktor vor der
Entwicklung einer komplizierten Trauer darzustellen. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Optimisten deutlich besser in der Lage sind, den Tod des Partners zu akzeptieren
als weniger optimistische Menschen. Bezüglich der Persönlichkeitseigenschaften zeigte sich wie erwartet ein geringerer Neurotizismus, weniger fatalistische Externalität und mehr
Resilienz und Lebenszufriedenheit bei den einfach Trauernden. Auch fand sich bei kompliziert Trauernden ein erhöhtes Ausmaß an psychischer Belastung sowie eine
geringere Zufriedenheit mit der vorher bestandenen Partnerschaft und ein schlechterer Gesundheitszustand.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass es sich bei dem KTM um ein valides Verfahren
zur Erfassung der Trauerreaktion bei Verlust des Partners handelt. Mit den Skalen des KTM lassen sich über 50 % der Varianz der komplizierten Trauerreaktion aufklären.
Werden nur die Variablen, die die im Trauer Modul erfassten Variablen am besten vorhersagen, herangezogen, so lässt sich in Multiplen Regressionsanalysen bedeutend
weniger Varianz der komplizierten Trauer vorhersagen. Für die Vorhersagbarkeit der Skalen des KTM erwiesen sich Akzeptanz, Optimismus, Neurotizismus, Trauerreaktion,
Depressivität, Intrusion und der zeitliche Abstand vom Todestag als die besten Variablen zur Vorhersage der durch das Komplizierte Trauer Modul erfassten Reaktionen.

Es bestehen Unterschiede zwischen kompliziert und einfach Trauernden. Die Fähigkeit zur Akzeptanz des Verlusts des Partners und zur positiven Neubewertung hängt signifikant

mit einer geringeren Trauerreaktion, insbesondere weniger Intrusionen und Depression zusammen und ist bei einfach Trauernden erwartungsgemäß stärker ausgeprägt als bei
kompliziert Trauernden. Die Unterschiede in den Skalen des KTM (Intrusion, Depressivität, Festhalten an der Anwesenheit des Verstorbenen) sowie in wesentlichen
Bereichen der Bewältigung und der Persönlichkeit zwischen den Trauergruppen sprechen für die Existenz eines eigenständigen Konstrukts einer komplizierten Trauerreaktion.
Durch die Aufnahme als eigenständige Diagnose in die gängigen Klassifikationssysteme könnte die Forschung zu Behandlungsansätzen vereinfacht und für Betroffene der Zugang
zu therapeutischen Hilfen erleichtert werden. Das Komplizierte Trauer Modul von Maercker und Langner (2002) kann bei Verdacht auf eine komplizierte Trauerreaktion
diagnostische Hinweise liefern, die die Behandlung erleichtern können.