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Rezensionen


Schriften von Wirtschaftswissenschaftler und Landschaftsarchitekt Dr.
Dr. Karl-Heinz Marquardt

Im Cuvillier Verlag Göttingen sind einige Schriften zu
ökologischen und umweltplanerischen Themen erschienen, die den Artenschutz und indirekt auch die Jagd betreffen. Der Autor Dr. Dr. Karl-Heinz Marquardt ist beim Landesverband Bayern der Deutschen Wander- und Gebirgsvereine zuständig für den Bereich Naturschutz. Besonders herauszugreifen ist das Lehrbuch für Politikinteressierte Band 3, „Planung – Weg in die Freiheit oder in die Sklaverei?“. Es behandelt Probleme, die den Wald und seine Entwicklung betreffen.

Rezension von der Zeitschrift des Bayerischen Jagdvereins “Jagd in
Bayern 12/2014”





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Planung Weg in die Freiheit oder in die Sklaverei?

Begabungsmanagement in der Grundschule
ein Beitrag gegen Benachteiligung individueller Begabungen und zur Förderung kognitiv-emotionaler Intelligenz von Yvonne Funken

Fördernder Unterricht
Lassen sich Begabungen managen? Welche Voraussetzungen zwischen
äusserer Struktur und Beziehung sind nötig, damit sich Begabungen in der
Schule entfalten können? Yvonne Funken greift ein hochaktuelles Thema
auf und schlägt eine Brücke zwischen Classroom-Management und
Begabungsförderung.
In acht Kapitel gegliedert, schaut sie mit einem kritischen Blick auf
den Status Quo der Begabungsförderung und benennt auch problematische
Seiten der Begabungsentwicklung. Die Autorin nimmt Bezug auf
lernförderliche Aussenbedingungen. Strukturelle Grundlagen des
Classroom-Managements bilden bei Funken die nötige Basis für den
differenzierenden, begabungsfördernden Unterricht. Ein umfassender
Anhang mit diversen Vorlagen runden das Werk ab. Viele Beispiele aus dem
Schulalltag ergänzen und illustrieren die Theorie. Das umfassende Buch
nimmt in der komplexen Thematik verschiedene Perspektiven ein und bietet
Lehrpersonen Gelegenheit ihr Unterrichtskonzept in Regelklassen, wie
auch ihr Professionsverständnis zu reflektieren. Eine Fülle an
Beispielen dient als Inspirationsquelle zur Umsetzung.-Benno Müller-

Rezension von Erziehungsdepartment des Kantons Basel-Stadt
Pädagogisches Zentrum PZ.BS


Zeitschrift für die gesamte Versicherungswissenschaft
Band 103, Heft 2.2014



Pricing and Hedging Insurance Products in Hybrid Markets
von Jan Widenmann


Diese Dissertation stellt innovative Pricing- und Hedging-Modelle für
eine breite Klasse von Versicherungsprodukten vor. Eine wichtige
Neuerung im Hinblick auf die existierende Literatur ist dabei das
Anwenden F-doppelt stochastischer Markovketten, was die Ausarbeitung der
Formeln anhand stochastischer Intensitätsprozesse ermöglicht. Für die
Prämienbestimmung für Arbeitslosigkeitsversicherungsprodukte werden die
Intensitätsprozesse durch mikro- und makroökonomische stochastische
Kovariablenprozesse generiert, um Einflüsse und Abhängigkeitsstrukturen
innerhalb von Arbeitsmärkten zu untersuchen. Als Preisregel wird die
„Real-World“-Preisformel des Benchmark-Ansatzes gewählt. Für die
Bestimmung optimaler Hedgingstrategien werden quadratische
Hedging-Methoden auf eine breite Klasse von Versicherungsprodukten, u.
a. Lebensversicherungsprodukten, angewandt. Die Lösungen werden dabei
anhand der Galtchouk-Kunita-Watanabe-Zerlegung der Schadenprozesse
bestimmt.


Biotoptypenbasierte Gehölzansaaten – Eine Begrünungsmethode zur
ingenieurbiologischen Sicherung von oberbodenlosen
Verkehrswegeböschungen von Anne Werpup

Trotz vieler Vorteile ist die Gehölzansaat als Begründungsmethode an
Verkehrswegeböschungen nur wenig verbreitet. Als Gründe hierfür können
vor allem die langsame Entwicklung von angesäten Gehölzen sowie das
durch fachliche Mängel bei der Planung und Ausführung hervorgerufene
Ausbleiben des Begrünungserfolges genannt werden. Die vorliegende Arbeit
überprüft den Begrünungserfolg von Gehölzansaaten mit
Untersuchungsschwerpunkt auf den Aspekten Böschungssicherheut und
Naturschutz anhand mehrerer evaluierter Böschungsflächen verschiedener
Ansaatalters. Aus den Untersuchungsergebnissen werden
Handlungsempfehlungen für die Praxis, die neben Informationen zur
Eignung eines Böschungsstandortes für Gehölzansaaten ein Ökogramm zur
Bestimmung der standortgerechten biotoptypenbasierten Zielvegetation
sowie eine Auswahl von geeigneten Gehölzen (Artenlisten) beinhalten,
hergeleiten.

Fraunehofer IRB 2014-266


Zeitschrift für die gesamte Versicherungswissenschaft
Band 103, Heft 2.2014



Sozioökonomische Implikationen staatlicher Eingriffe in das Gesundheitswesen; Nationale Gesundheitssysteme zwischen Regulierung und Liberalisierung
von Johann-Matthias Graf von der Schulenburg
von Jan Zeidler
von Alexander Kuhlmann

Vor dem Hintergrund wachsender Haushaltsdefizite stehen die kontinuierlich steigenden Gesundheitsausgaben in vielen Industrieländern auf dem Prüfstand. Dies gilt auch für das französische Gesundheitswesen. Im Rahmen einer Diskussion über ein angemessenes Gesundheitsbudget, darf der Output des Systems jedoch nicht unberücksichtigt bleiben. Daher sollten die Ausgaben eines Gesundheitssystems stets im Zusammenhang mit der Qualität der erbrachten Leistungen beurteilt werden. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Ausgaben im französischen Gesundheitswesen unter Berücksichtigung der Versorgungsqualität zu bewerten. Um die Performance des französischen Gesundheitssystems zu evaluieren, bietet sich ein internationaler Vergleich an. Hierbei gilt es jedoch die unterschiedliche Ausgestaltung der Gesundheitssysteme zu beachten, da diese einen maßgeblichen Einfluss auf die grundlegenden Modelle zur Systematisierung von Gesundheitssystemen und speziell der Aufbau des französischen Gesundheitssystems dargestellt. Im folgenden Abschnitt werden die Gesundheitsausgaben, die Versorgungsqualität und ihre ökonomische Abwägung dargestellt. Beides wird anhand von Querschnitts- und Zeitreihendaten betrachtet. Auffällig ist, dass die Messung von Gesundheitsausgaben relativ unkompliziert ist, während die Versorgungsqualität nur schwer messbar ist.  Daher werden unterschiedliche Instrumente zur Messung der Versorgungsqualität kurz erläutert, sowie die jeweiligen Vor- und Nachteile, dargestellt. Für die Abwägung, ob die Gesundheitsausgaben und die Versorgungsqualität in einem angemessenen Verhältnis stehen, werden abschließend drei Ansätze internationaler Perspektiven vorgeschlagen und diskutiert.





Finanzierung im Peer-to-Peer-Kontext

Wie das Konzept des Peer-to-Peer-Bankings auf die
Unternehmensfinanzierung übertragen werden kann, war das Thema der
Promotion von Arne Frerichs. Da aus aufsichtsrechtlichen Gründen ein
Kreditinstitut in den Kreditvergabeprozess involviert sein muss, obwohl
keine bankeigenen Mittel ausgereicht werden, arbeitet der Autor
ebenfalls heraus, wie diese Einbindung ausgestaltet werden kann und wie
sich ein Kreditinstitut darin positionieren kann. In einer ausführlichen
Untersuchung wird abgeleitet, welche marktüblichen Instrumente der
Unternehmensfinanzierung sich für den Einsatz im Peer-to-Peer-Kontext
eignen. Referenzmodelle für die Peer-to-Peer-basierte Vergabe von
Investitionskrediten in Kooperation mit oder im Eigenbetrieb durch ein
Kreditinstitut sind erstellt worden (Arne Frerichs:
„Unternehmensfinanzierung mit Peer-to-Peer-gestützter Mittelvergabe“.



Band 22 Jahrgang 2010, Jahrbuch Extremismus & Demokratie

Der Struktur und dem Wandel des Neonazismus in der Bundesrepublik ist die detailierte Arbeit von Martin Thein gewidmet. Er geht von der Arbeitshypothese aus, dass sich die Struktur des Neonazismus seit der Vereinigung wesentlich verändert hat, und verfolgt aus einer eher organisationszentrierten Persepktive das Ziel, im Rahmen einer Feldstudie die organisatorischen, ideologischen und strategischen Rahmenbedingungen für die zunehmende Attraktivität des Neonazismus ausfindig zu machen. Die Fragestellung ist nicht nur für die Erforschung des Rechtsextremismus in der Gegenwart von zentraler Bedeutung. Auch methodisch ist die Arbeit von großem Interesse, da sich der Autor auf direkte Kontakte zu Personen stützt, die selbst der Beobachtungsgruppe angehören. Mit 34 Aktivisten und Aussteigern führte er intensive Interviews durch. Neben der Auswertumg von Dokumenten flossen zudem mittel teilnehmender Beobachtung erhobene Daten in die Analyse ein.

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen folgenrichtig drei umfangreche Kapitel, die der Analyse der Organisation, der ideologisch-programmatischen und strategischen Ausrichtung des Neonazismus gewidmet sind. Dem vorangestellt ist ein Kapitel über die historische Entwicklung des Neonazismus in der Bundesrepublik und der früheren DDR. Nachgestellt ist den drei zentralen Teilen eine Gesamtwürdigung der Studie. Die Vorgehensweise und das zugrunde gelegte Material werden gut beschrieben; die Anlyse der Struktur und Entwicklung in den drei interessierenden Teilbereichen ist klar strukturiert, kenntnisreich und analytisch ertragreich. Der Leser erhält eine zuverlässige Beschreibung des Wandels des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland. Folgt man Martin Thein, so haben wir es gegenwärtig mit zwei neonationalsozialistischen Akteursarten zu tun: die vor allem in Westdeutschland anzutreffenden traditionellen Neonationalsozialisten und die hauptsächlich in Ostdeutschland angesiedelten Neonationalsozialisten neuen Typs. Während die noch stark an der nationalsozialistischen Ideologie verhafteten Neonationalsozialsiten im Westen einem autoritär und hierarchisch angeordneten Organisationsmodell verpflichtete seien und sich als unfähig erwiesen, populäre Politikfelder anzusprechen, könnten die einem Kameradschaftsmodell folgenden globalisierungs- und kapitalismuskritischen Neonationalsozialismus im Osten flexibler auf politische Entwicklungen reagieren. Als unzureichend erweist sich allerdings die theoretische Durchdringung der Arbeit, zumal der Autor die Absicht hegt, die zunehmende Attraktivität des Neonationalsozialismus für Jugendliche zu erklären. Allein dei Nennung der Untersuchungsdimensionen macht noch keinen sinnvollen theoretischen Bezugsrahmen aus. Und die Tatsache, dass sich der Neonationalsozialismus in mehreren Hinsichten gewandelt hat, erklärt noch nicht den Zuspruch, den er in Teilen gefunden hat. Der Autor versäumt es, sozialwissenschaftliche Gesetze anzuwenden, die die Verbindung zwischen den zu erklärendnen Ereignissen und den in der Arbeit genannten Rahmenbedingungen herstellen. […]
Jürgen R. Winkler


Südniedersachsen, Zeitschrift für Regionale Forschung und Heimatpflege, 4. Dezember 2010, 38. Jahrgang
"Bei diesem Titel werden die meisten Leser an den berühmten Welfenherzog denken. Der Autor beschäftigt sich in dieser Publikation jedoch mit der 31. Wehrmachtsdivision, die in Braunschweig aufgestellt wurde und den Beinamen “die Löwen” erhielt. Der Titel “Auf den Spuren der Löwen” wäre deshalb genauer.
Wie viele andere Einheiten erhielt auch diese Division in der Nachkriegszeit eine Geschichtsschreibung, meist von ehemaligen Angehörigen geschrieben, in der das Bild einer sauberen Wehrmacht tradiert wurde. 
Angeregt durch die Ausstellung “Die Verbrechen der Wehrmacht” des Hamburger Instituts für Sozialgeschichte im Jahre 1995 befasste sich der Autor mit der Geschichte dieser Division. 

Sie hatte ihre Heimatgarnisionen in Braunschweig, Goslar, Göttingen, Northeim, Osterode, Halberstadt, Blankenburg und Quedlinburg. Zunächst werden die Geschichte der Division in ihren Garnisionsstädten und ihre vielfältigen lokalen Verflechtungen beschrieben. Im Hauptteil werden die ersten Feldzüge der Wehrmacht nach Polen und Westeuropa sowie die Besatzungszeit in Polen ausführlich abgehandelt. Den größten Teil des Textes nehmen die Verbrechen der Wehrmacht in der Sowjetunion ein, auch diese werden sehr ausführlich, gestützt auf umfangreiche Literatur, dargestellt.
Das Verdienst des Autors ist es, diese Wehrmachtsverbrechen hinsichtlich der 31. Division genauer und präziser zu untersuchen. Er stützt sich dabei auf das Bundesarchiv/ Militärarchiv und lokale Archive, zusätzlich auf einzelne Textpassagen bisher veröffentlichter apologetischer Darstellungen. Verglichen mit den übrigen Teilen der Publikation bleibt dieser Teil häufig unpräzise. Neben gut belegten Fällen stehen vage Formulierungen, Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten. Dieser Mangel ist vermutlich auf die eher dürftige Quellenlage zurückzuführen.
Der Schlussteil des Buches stellt wiederum die Garnisionsstädte dar. Für jeden Ort wird die ARbeit der Veteranenvereine skizziert, dazu kommen ausgewählte Beispiele des Verhältnisses zur Budneswehr und zur Lokalpolitik. Häufig besteht heute eine enge Verbindung zwischen Ehemaligen und Garnisionsstädten."
Birgit Schlegel


CIRCUS ZEITUNG, Donnerstag 14. Oktober 2010, 55. Jahrgang
Schaustellungen und Volksbelustigungen

“Eine wirtschafts- und sozialgeschichtliche Untersuchung” nennt die AUtorin diese Arbeit, die die vorhandene Messerechnungen in Leipzig aus dem 19. Jahrhundert auswertet. Dabei bezieht sich der Begriff “Schaustellung” nicht vordergründig auf den heutigen Begriff des Jahrmarktes, sondern auf Schaustellungen artistischer Genres, also Akrobaten, Magier, Kunstreiter, Seiltänzer, Puppenspieler und Spezialitäten, auf Schaustellungen von Personen, der sogenannten Abnormitäten und fremden Menschen, auf die Schaustellung von Tieren in den in dieser Zeit aufkommenden Menagerien und auf die Schustellung von Objekten – also optische Gegenstände, die Kinematographie oder Wachsfiguren und Automaten.

Die Autorin schildert ausführlich die Herkunft der verschiedenen “Schausteller”, ihre Auftritte in Leipzig und ihre Erwähnung in den vorhandenen Quellen. Eine Aufzählung von Namen würde Seiten füllen, genannt seien nur bei den Künstlern im Circusbereich Christoph de Bach, Tourniaire oder Blondin, bei den Seiltänzern Knie und Kolter, bei den Menagerien u.a. van Aken, Henri Martin und Kreutzberg. Natürlich werdenin einem Kapitel auch Fahr-, Belustigungs- und Schauergeschäfte aufgeführt.

Die Namensliste der Künstler und Schausteller aus den Konzessionsakten ist als CD beigefügt, der Band ist mit historischen Abbildungen illustriert.

Die Untersuchung mit ihrer Vielzahl von Namen und Daten ist eine Fundgrube für den Circushistoriker.
D. Winkler


Besprechung für „Das andere Theater“ (daT); 19.10.2010

Die Dissertationsschrift (567 Seiten, 77 Abbildungen, 2500 Fußnoten, CD-Beilage – mit Schaustellerliste zu Nachweisen aus über 8000 Konzessionsakten), erschienen 2010, stützt sich auf umfangreiche Recherchen in entsprechenden Leipziger Archiven, bezieht über 1500 dort vorhandene Ankündigungszettel sowie die Auswertung eines 85 Seiten umfassenden Literaturverzeichnisses ein. Damit dürfte diese Arbeit die ausführlichste Recherche sein, die zu diesem Thema bisher veröffentlicht wurde.

Auf den Leipziger Messen waren Schaugeschäfte, Fahr-, Belustigungs- und Geschicklichkeits- sowie Verkaufsgeschäfte zu finden. Schwerpunkt der Arbeit sind hier die Schaugeschäfte, die nach artistischen Genre, Schaustellung von Personen, Tieren und Objekten definiert werden. Dieser Gliederung sind weitere über 80 Spezialthemen untergeordnet, die sich auch im Inhaltsverzeichnis widerspiegeln. All das sowie eine Leseprobe zum Abschnitt „2.1.1.2 Herkulisches – Kraftmenschen und Athleten“ kann auf der Website des Verlages eingesehen werden.

Viele der Spezialthemen werden einleitend in ihrer Entwicklung als kurzer Abriss vorgestellt, ehe auf deren Vertreter zu den Leipziger Messen sowie deren Besonderheiten und Geschichten eingegangen wird. Auch die technische bzw. naturwissenschaftliche Bedeutung bestimmter Darstellungen sowie die Historie der Menagerien, Völkerschauen und Circusse werden beleuchtet. Damit ist die Veröffentlichung auch überregional von wesentlicher Bedeutung. 

Das uns näher interessierende Puppen- resp. Figurentheater (Marionetten, Handpuppen, theatrum mundi und mechanische Theater), auf 130 Seiten abgehandelt, wird gestützt durch Angaben von ca. 150 verschiedenen Spielern. Gliederungsbedingt sind diese Angaben an anderer Stelle z. B. durch Abhandlungen zu Automaten (S. 394 – 402) und zur Familie Schichtl (S. 147 – 153 und S. 404 – 405) ergänzt.

Die Veröffentlichung könnte als Kompendium der Schaustellerei Verwendung finden, wenn, und das ist ihr wesentlicher Mangel, ein Personenregister vorhanden wäre. Die beiliegende CD mit der Schauspielerdatei und ihren erforderlichen wissenschaftlichen Nachweisen hätte man handlicher gestalten können, indem diese durch eine Kurzfassung – reduziert auf eine Namensnennung mit Art der Schaustellung sowie der Angabe des zeitlichen Bereiches für das Auftreten in Leipzig – ergänzt worden wäre. Zu dieser Datei führt auch ein Link am Ende der Buchbeschreibung der Verlagseite.

Insgesamt eine sehr lesenswerte Untersuchung, die ihrem Leser die Geschichte der vielfältigen Schaustellerkultur, und dazu gehört auch das Puppentheater, interessant und detailreich nahebringt
Johannes Richter


ZfP Zeitschrift für Politik, 3/2010, 57. Jahrgang NF, September 2010
Die Zahl der Aktivisten der Neonazi-Szene hat sich in den letzten Jahren verdoppelt: von über 2.000 Anfang der 1990er Jahre auf gegenwärtig über 4.000. Die Ursachen für diese Entwicklung will der Politikwissenschaftler Martin Thein in seiner Arbeit Wettlauf mit dem Zeitgeist – Der Neonazismus im Wandel. Eine Feldstudie herausarbeiten. Es soll darin um die »Ursachen, Erfolgsbedingungen und Charakteristiken« und die daraus »resultierende(n) Attraktivitätsmomente für ein solches Denken und Handeln« (S.3) gehen. Hierbei will der Autor – bei Ausblendung des gesamtgesellschaftlichen Kontextes – nur die szene-interne Entwicklung betrachten, ebendort die ideologischen, organisatorischen und strategischen Veränderungen ins Visier nehmen und einen Vergleich der Neonazi-Szene der 1970er und 1980er Jahre mit der der Gegenwart vornehmen. Primäre Datenbasis dafür sind 34 Tiefeninterviews mit noch aktiven und ehemaligen Angehörigen des Rechtsextremismus, wozu auch ein Großteil der Führungsriege des Neonazismus gehörte.

Nach der Einleitung mit Ausführungen zu Erkenntnisinteresse und Fragestellung, Forschungsgegenstand und Methode finden sich Ausführungen zu den zentralen Arbeitsbegriffen »Neonazismus« und  »Rechtsextremismus« sowie zur historischen Entwicklung des Neonazismus in Deutschland. Dem folgen die drei Haupteile der Arbeit, worin nach den organisatorischen, ideologischen und strategischen Veränderungen in diesem Teil des Rechtsextremismus jeweils für die 1970er und 1980er sowie der 1990er und 2000er Jahre gefragt wird. Hierbei geht es um so unterschiedliche Aspekte wie das traditionelle Organisationsmodell und die »Kameradschafts«-Strukturen, die ideologische Neuorientierung als gesellschaftliche Akteure. Der bilanzierende Schlussteil unterscheidet dann idealtypisch zwei Formen der Angehörigen dieses politischen Spielraums: den »traditionellen (westdeutschen) Neonazi« (S. 322) und den »Neonazi neuen Typs« (S. 325).
Dementsprechend formuliert Thein als zentrales Ergebnis seiner Forschungsarbeit »das Aufzeigen der Existenz eines neune Typs an Neonazi in Ostdeutschland, dessen Charakteristika sich elementarvon dem… klassischen westdeutschen Akteur unterscheiden« (S. 325). Diesen definiert er wie folgt: »Unter >Moderner Neonazis< versteht man Rechtsextremisten, die sich vorwiegend in regionalen Kleingruppen organisierten und aus strategischen Gründen ihre vormals primär nationalistische Orientierung durch sozialpolitische, kapitalismuskritische und lokalbezogene Themeninhalte erweitert haben« (S. 326, kursiv im Original). In diesem Kontext wird auch auf den szeneinternen ideologischen Wandel hingewiesen, habe sich doch insbesondere in Ostdeutschland ein »differenziertes Verhältnis zum historischen Nationalsozialismus« herausgebildet. Als entscheidende Ursache für den »Attraktivitätszuwachs« wird die »binnenorganisatorische Neuausrichtung in Form des Kameradschaftsmodells« (S. 329) ausgemacht.
Die Arbeit von Thein beeindruckt durch das methodische Vorgehen: Erstmals liegt hier eine wissenschaftliche Studie vor, welche auf Basis von Tiefeninterviews mit zahlreichen führenden Neonazi-Aktivisten der Vergangenheit und Gegenwart erstellt wurde. Deren systematische Auswertung wird im Anhang mit den Ausführungen zur Methode gut begründet. Der Autor nimmt darüber hinaus auch eine überzeugende Strukturierung der Präsentation seiner Ergebnisse vor, wobei eine ideologische, organisatorische und strategische Ebene unterschieden werden. Gleichzeitig verkoppelt er diese Differenzierung der Untersuchungsfelder mit dem Vergleich des früheren und gegenwärtigen Neonazismus. Hierbei geling es überzeugend, neuere Entwicklungen in diesem Teil des Rechtsextremismus herauszuarbeiten. Thein arbeitet auch an der Gesamtanalyse die wichtigsten Bedingungsfaktoren für den »Attraktivitätszuwachs« der Szene auf und gewichtet diese klar hinsichtlich ihrer Bedeutung (entscheidender Faktor: Organisationsstruktur).
Diesen Vorzügen stehen aber auch kleinere Schwächen gegenüber: Die zentrale Fragestellung hätte klarer und systematischer – auch und gerade hinsichtlich der Gewichtung von Hauptfragestellung und Unterfragen – entwickelt werden müssen. Bei der Auswertung der Interviews geht der Autor zu wenig auf die subjektive Interessenlage der Befragten ein, was sich an der häufig kritikarmen Rezeption ihrer Aussagen zeigt. Zwar gibt es einen »neuen Typ« des Neonazis, der sich insbesondere in den ostdeutschen Ländern herausgebildet hat. Aber auch der »alte Typ« kannte durchaus »sozialpolitische, kapitalismuskritische… Themeninhalte« (S. 329), womit dies kein trennscharfes Kriterium sein kann. Gleichwohl handelt es sich bei Theins Arbeit in der Gesamtschau um eine bedeutende Forschungsleistung, die in der systematischen Auswertung der Tiefeninterviews mit wichtigen Vertretern der Neonazi-Szene und der Problemorientierten Analyse bezüglich der ideologischen, organisatorischen und strategischen Entwicklungen auszumachen ist.
Armin Pfahl-Traughber


Archiv des öffentlichen Rechts, 135. Band, Heft 1, März 2010

Klaus Zapka vertritt die These, dass das wettbewerbliche System der EU sozialpolitische Deregulierungen zur Folge hat. Bewährte nationale Präferenzen wie gewerkschaftliche Errungenschaften (Kündigungsschutz, Löhne, Arbeitszeiten) können im Namen des Standortwettbewerbs unterwandert werden. Mittlerweile hat sich der Begriff „competitive solidarity“ in die europäische Diskussion eingenistet. Danach genießen mikroökonomische Bedingungen absoluten Vorrang gegenüber sozialen Arbeits- und Lohnbedingungen der Beschäftigten. Ebnet die EU den Weg zurück ins 19. Jahrhundert?

Der Autor arbeitet mit einem erweiterten Begriff der Effizienz. Er bezieht ihn nicht nur auf die wichtigsten ökonomischen Skaleneffekte, sondern er bezieht ihn darüber hinaus auch auf das gesellschaftliche System. Sein Plädoyer gilt der effizienten, nachhaltigen Stabilität des gesellschaftlichen Systems durch hinreichende sozialpoltische Maßnahmen, die im Prinzip eine Exklusion von Bürgern ausschließt. Eine umfassende Sozialpolitik (Inklusion) gilt als gesellschaftliche Integrationsformel. Das stete Aufkommen neuer parlamentarischer Akteure ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich in Zukunft zunehmend destabilisierende politische Verhältnisse einstellen können. Ein anschauliches Beispiel dafür war das zunächst vergebliche Bemühen poltischer Akteure nach den Landtagswahlen (2008) IN Hessen, eine stabile Regierung im Fünfparteiensystem zu bilden.

So beginnt Zapka sein in drei großen Kapiteln angelegtes Buch mit dem spezifischen Charakter der nationalstaatlichen Sozialpolitik, ihren Effekten im Kontext der – europäischen –Globalisierung. Im zweiten Teil dieses Kapitels werden zur deutlichen Markierung seiner These einzelne historische Epochen vorgestellt. Er beginnt mit dem wilhelminischen Staat als historischen stabilitätspolitischen Ein- und Aufstieg der „eigentlichen“ Sozialpolitik im Nationalstaat. Danach gilt sein Interesse der stark defizitären Sozialpolitik während der politischen und ökonomisch instabilen Epoche der Weimarer Republik mit ihren hinlänglich vertrauten Scheitern.

Sodann zeichnet er die umfassenden, aber spezifischen sozialpolitischen Interventionen des Dritten Reichs nach und endet mit dem sozialpolitischen Arrangements der Nachkriegszeit. Diese Ära unterteilt er in zwei Abschnitte. Der erste Abschnittbezieht sich auf die Zeit der sozialpolitischen Erfordernisse nach dem Kriegsende und der sich anschließend dynamisch entwickelten Sozialpolitik bis zur ölpreisinduzierten Wirtschaftskriese Mitte der 1970er Jahre. Der zweite Abschnitt dieses Kapitels betrifft die sozialstaatlichen Reformen ab diesem (wirtschafts-)politischen Paradigmenwechsel bis zur umstrittenen Verabschiedung der Agenda 2010 unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. Das gesamte Kapitel steht unter dem Blickwinkel des Systems stabilisierenden Paradigmas nationalstaatlicher Sozialpolitik.

Mit ebenfalls stabilitätspolitischen Motiven verfährt der Autor in seinem zweiten Kapitel, in dem er das allmähliche Anschwellen der „Europäischen Sozialpolitik“ als stetigen Reflex (Spill-over-Effekte) auf den zunehmenden Wettbewerb durch supernationale Reformen wie die Vollendung des Binnenmarktes, die Einführung der Europäischen Währungsunion, die Ost-Erweiterung der Gemeinschaft sowie die damit einhegende Deregulierung wohlfahrtsstaatlicher Standarts vor allem in hoch regulierten Mitgliedstaaten wie Deutschland in differenzierter Weise begründet. Auch in diesem Kontext fragt der Verfasser gezielt danach, ob supranationale Sozialpolitik auch als notwendiger Stabilisator des politischen Systems der Europäischen Union zu bewerten ist. Vor allem steht die supranationale Legitimität im Fokus, die sich unzweifelhaft in Wohlfahrtseffekten zu äußern hätte.

Im abschließenden dritten Kapitel diskutiert der Verfasser beispielhaft zwei verschiedene europäische Sozialpolitiken: Soft Law und Hard-Law. Als ungewöhnlich stark entwickelte europäische Sozialpolitik gilt nach seinem Ermessen die verbindliche Gleichstellungspolitik zwischen den Geschlechtern, die aber primär unter wettbewerblichen Aspekten zu würdigen ist. Als sozialpolitisches „Pendant“ präsentiert Zapka die europäische Beschäftigungspolitik, die im Rahmen der rechtlich unverbindlichen und deutlichen wettbewerblichen ausgerichteten „Methode der offenen Koordinierung“ (OMK) gestaltet wird. In Abgrenzung zu anderen Autoren geht der Autor aber von faktischen Geltung und Durchsetzung solcher OMK-Maßnahmen aus. Mit diesem Instrument kann die EU in Politikbereiche vorstoßen, in denen sie über kein Mandat verfügt. Einer Ökonomisierung weiterer Politikbereiche ist mithin Tür und Tor geöffnet. Es liegt aber noch keine hinreichende Empirie vor, um zu einem abschließenden Ergebnis zu gelangen.

Für gewerkschaftliche Hoffnungen auf die Umwandlung von“ Wettbewerbsgewinnen in Wohlfahrtsgewinne für Belegschaft und Gesellschaft“ (Hans-Jürgen Urban) bietet die dezidierte wettbewerblich orientierte Lissaboner Strategie – die die EU bis 2010 zur dynamischsten undwettbewerbsfähigsten Region der krönen sollte – kein sicheres Fundament. Ihr Instrument der OMK steht nicht dafür ein, alle Bürger mit hinreichenden wohlfahrtspolitischen Maßnahmen zu versorgen, ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu garantieren.

Sowohl Lissabon als auch die OMK sind Konzepte, die nationale Sozialpolitik über das Brenchmarkingprofil ökonomisieren. Belege für die nachdenklich stimmende Ökonomisierung der nationalen Sozialpolitik sind die Arbeitsmarktreformen der „Agenda 2010“ und das auch europäische Arbeitsmarktmodell „Flexicurity“. Hier zeigt sich, dass eben nicht „die Gesellschaft“ oder „die Belegschaft“ insgesamt von der Europäischen Union profitieren kann, sondern jeweils nur ein Teil. Die deutschen Arbeitsmarktreformen sind eben kein beschäftigungspolitisches Instrument (Ernst Niemeier). Vielmehr können sie als Instrument gelten, sozialpolitische Kosten zu senken. Ziel von Lissabon und Agenda 2010 ist eine Stärkung des Standorts, bei der schon heute ein Teil der Beschäftigten und der Gesellschaft als Verlierer zu verbuchen sind. Es wird sukzessive zu weiteren Deregulierungen kommen, die auch die EU zu verantworten hat.

Zapka gelingt es überzeugend, diese komplexen Zusammenhänge differenziert auf den Punkt zu bringen. Ob die Europäische Union langfristig mit ihrer „marktlogischen“ Sozialpolitik beim Bürger punkten kann, scheint eher zweifelhaft zu sein. Die vor wenigen Jahren erfolgten Referenden der Französen und Niederländer gegen den Europäischen Verfassungsvertrag sind offensichtlich als deutliche Voten gegen eine – von der Gesellschaft mit zu verantwortende –deregulierende Sozialpolitik gerichtet. Damit stellt sich zugleich die Frage der materiellen Legitimität der Europäischen Union, mit der sich der Verfasser kritisch auseinandersetzt.
Klaus-Jürgen Werner


Archiv des öffentlichen Rechts, 135. Band, Heft 1, März 2010

Adrian Jung: Maßstäbegerechtigkeit im Länderfinanzausgleich. Die Länderfinanzen zwischen Autonomie und Nivellierung. Schriften zum Öffentlichen Recht, Bd. 1099. Dunker & Humblot, Berlin 2008, 244 S., EUR 74,-. Johannes Hancke: Defizitbegrenzung im Bundesstaat. Grundgesetzliche Vorgaben einer verbindlichen Verschuldungsregelung. Cuvillier, Mainz 2008, 220 S. EUR 29,-.

Das Finanzverfassungsrecht ist in den letzten Jahren zunehmend in den Focus des politischen und rechtlichen Interesses getreten, Folge der sich verstärkenden Auseinandersetzungen um die gerechte Verteilung der öffentlichen Einnahmen im Bundesstaat zum einen, zum anderen und im Zusammenhang damit aber auch um die angemessene Bewältigung der sich ständig vermehrenden Schuldenlast von Bund und Ländern. Dem entspricht, dass die diesen Themen gewidmeten Publikationen, insbesondere Dissertationen, seit einiger Zeit beträchtlich zugenommen haben. In diesen Kontext fügen sich auch die hier anzuzeigenden Arbeiten von Jung und Hancke ein. Die erste, von Paul Kirchhof betreute Dissertation befasst sich mit dem als Folge des Urteils des BVerfG vom 11.11.1999 (BVerfGE 101, 158 ff.) erlassenen Maßstäbegesetz vom 9.9.2001 (BGBl. I, 2302), das die Entscheidungen des Finanzausgleichsgesetzgebers nachvollziehbar und überprüfbar machen soll. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine überaus sorgfältige Aufbereitung der von der Finanzverfassung gelieferten Vorgaben – i.e. des in Art. 107 II GG formulierten Angleichungsauftrags sowie dessen näherer Spezifizierung durch das im Vordergrund stehende Merkmal der „Angemessenheit“. Die vielfach erhobene Kritik an dem Auftrag des BVerfG weist Jung mit erwägenswerten Gründen zurück, gelangt sodann allerdings zu dem – m.E. treffenden – Ergebnis, dass das Maßstäbegesetz in seiner jetzigen Fassung seiner Konkretisierungs- und Präzisierungsaufgabe überwiegend nicht gerecht wurde. Die von Kube betreute Dissertation von Hancke hat das zurzeit im Vordergrund stehende Verschuldungsthema zum Gegenstand. Der Verfasser schildert zunächst ausführlich das geltende System des verfassungsgesetzlichen Finanzausgleichs einschließlich der Haushaltsnotlagenproblematik, um im Anschluss daran eine Reihe aktueller Vorschläge zur Begrenzung der Staatsverschuldung vorzustellen. Im Vordergrund der Arbeit stehen schließlich die Frage der Verneinbarkeit dieser Vorschläge mit Art. 109 GG a.F. sowie die – nicht selten verneinte – Frage, ob und inwieweit eine verfassungsrechtliche Neuregelung im Sinne der Reformvorschläge mit Art. 79 III GG vereinbar ist. Die insoweit angestellten Überlegungen des Verfassers behalten auch für die im Rahmen der Förderalismusreform II (vgl. dazu Selmer, NvwZ 2009, 1255) verabschiedete Novellierung der Art. 109, 115 GG („Schuldenbremse“) ihre Aussagekraft.
Peter Selmer


Strategien und Unternehmensperformance im Agribusiness
Herausforderungen durch die neue gesellschaftliche und technische Umwelt annehmen Die Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland stehen vor neuen Herausforderungen. Verschiedene Triebkräfte katalysieren einen umfangreichen Wandlungsprozess. Stichworte hierzu sind Globalisierung, technische Innovation sowie Krisen und Skandale. Der Autor gibt Anregungen, wie bisherige Unternehmens- und Wettbewerbsstrategien angepasst werden können.


Verbraucherwahrnehmung und Marktchancen eines regionalen Traditionsprodukts – Eine Analyse für hessischen Apfelwein

Detaillierte Markanalyse für den Hessischen Apfelwein

Die vorliegende Publikation liefert eine detaillierte wissenschaftliche Marktanalyse für ein regionales Traditionsprodukt, den Hessischen Apfelwein.

Im Vordergrund der Untersuchung steht die Verbraucherseite. Ergebnisse von drei am Institut für Agrarpolitik und Marktforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführten Verbraucherstudien wurden zusammengeführt und durch relevante Sekundärdaten ergänzt, sodass der Leser ein umfassendes Bild des Marktes für Hessischen Apfelwein gewinnen kann. Abgerundet wird die Arbeit durch Empfehlungen, wie Marktchancen dieses Traditionsproduktes besser genutzt werden können.


Diskurs und Systemtransformation

Gabriele Köhler (2009): Diskurs und Systemtransformation. Der Einfluß diskursiver Verständigungsprozesse auf Schule und Bildung im Transformationsprozeß der neuen Bundesländer. Göttingen: Cuvillier, 590 S., 40,00 €. – Wie aus dem für das SED-System politisch instrumentalisierten Bildungssystem der DDR, aus dessen inneren Auflösungstendenzen, nach den Aufbrüchen durch die Wende, aus den zeitweise hektischen Debatten bei Lehrern, Eltern und Schülern, an den Runden Tischen und den Verhandlungen auf administrativer Ebene ein im Ergebnis als zur BRD “gleichwertig” anerkanntes, aber länderspezifisches Schulwesen geworden ist, das wird auf der Grundlage intensiver Recherchen bis etwa 1994 materialreich nachgezeichnet. – Eine durchaus spannend zu lesende Bestandaufnahme.
Jörg Schlömerkemper


Kein Persilschein für die Wehrmacht

Die Wehrmachtsausstellung von 1995 ist sicherlich vielen Zeitgenossen noch in Erinnerung. “Verbrechen der Wehrmacht” war ihr Thema – darum geht es auch im neuesten Buch des promovierten Soziologen Martin Heinzelmanns “Die Spuren des Löwen”. Diese Verbrechen wurden „verschwiegen“, wie es im Untertitel des Buches heißt – und sie wurden von ganz bestimmten Deutschen in ganz bestimmten Wehrmachtsdivisionen verübt. Die Deutschen und die Division, die Heinzelmann unter die Lupe nimmt, sind südniedersächsische und sächsisch-anhaltinische Soldaten aus der 31. Infanteriedivision. Dies war eine besonders regimetreue und elitäre Wehrmachtstruppe, deren schlimmes Wüten im II. Weltkrieg in den geschichtsfälschenden Berichten ihrer Apologeten fast gar nicht bekannt wurde. Ein genaues Hinschauen, eine ansatzweise kritische Analyse und ein daraufhin erfolgendes Schuldeingeständnis waren offenbar bis in die Gegenwart hinein nicht möglich. Das „beschädigte Leben“ (Adorno) wurde weder damals noch heute als ein solches wahrgenommen und untersucht. Der amerikanische „Persilschein“ auf Nazireinheit kann nicht ausgestellt werden.

Weißrussland war nach dem II. Weltkrieg „die meistzerstörte Region der Erde“. Von den etwa neun Millionen Bewohnern waren 1,6 bis 1,7 Millionen getötet und circa zwei Millionen verschleppt oder zur Flucht gezwungen worden. Die Verluste der russischen Bevölkerung betrugen bis zu 20 Millionen. Allein das Aussprechen dieser Zahlen macht fassungslos. Daraus jedoch nicht die einzig sinnvolle Konsequenz von „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ zu ziehen, sondern die Verbrechen – auch die der Wehrmacht – noch zu verschleiern, das ist lebensverneinende Verdrängung und eine zusätzliche Verhöhnung der Getöteten.

Heinzelmann, Mitglied der Göttinger Geschichtswerkstatt, will mit dieser Geschichtsvergessenheit aufräumen. Er zeichnet die Geschichte der „Löwendivision“ detailgetreu nach. Göttingen, Northeim und Quedlinburg waren einige der Standorte, die Verbundenheit mit der Bevölkerung war groß und legendär, der bis in die Vergangenheit unkritische Umgang vieler Deutscher mit dieser Truppe wird offenkundig und greifbar. Die „Löwendivision“, etwa 17.000 Mann stark, wurde zunächst in Polen, dann in Frankreich, schließlich an der Ostfront in Russland eingesetzt. Vor allem in Russland wurden die verschwiegenen Verbrechen an der Zivilbevölkerung, an den Partisanen und den Flüchtigen begannen. Der sogenannte „Kommissarbefehl“, also der offizielle Befehl gegen die Zivilbevölkerung vorzugehen, die extra eingerichteten Polizeibataillone und die „Geheime Feldpolizei“ waren unisono willig Ausführende des Hitlerischen Vernichtungskrieges gegen die slawischen „Untermenschen“ und gegen die Juden. Heinzelmann richtet explizit gegen die apologetische Nachkriegsbeschönigung zahlreicher Fest- und Erinnerungsschriften und weist deren eklatante Geschichtsverfälschungen nach. Es wurden massenhaft Verbrechen begangen und das durchaus mit dem Einverständnis der Soldaten, die gar nicht so selten eindeutige Nazis gewesen sind. Umgekehrt ist von späteren Generationen die Mär von der „sauberen Wehrmacht“ eher selten geglaubt worden. Das diese Mär nun gar nicht mehr möglich ist, dafür sollte Heinzelmanns Buch sorgen.

Man hätte das ein oder andere Mal auch die Stimme der Opfer zu hören gewünscht. Möglicherweise auch die Feldpost der deutschen Soldaten, um über das Erleben der Täter nähere Auskunft zu bekommen. Doch ist Heinzelmanns Vorgehen in Genauigkeit, Klarheit und schlichtem Ausdruck recht gelungen. Es kommt dem aufklärend-kritischen Vorgehen der Wehrmachtsausstellung relativ nahe und darf mit diesem zusammen ein Griff in die Speichen des Gesichtsrades genannt werden, das sich eben nicht besinnungslos wie von selbst auf die nächste Katastrophe zubewegen muss.
Martin Block


Zeitschrift für die gesamte Versicherungswissenschaft (1/2010)

Dieses Sachbuch beinhaltet elf gesundheitsökonomische Arbeiten zum Leitthema Steuerung des Gesundheitsverhaltens im Spannungsfeld zwischen staatlichem Paternalismus und individueller Freiheit. Hierbei stehen drei Themenbereiche im Vordergrung: Im ersten Teil ‘Ist Sucht aus ökonomischer Sicht Privatsache?’werden, neben ökonomischen Theorien zur Rationalität der Sucht, Fragen zur Legalisierung von Cannabis und zu Auswirkungen von Alkohol- und Tabaksteuern auf das Individuum und die Ökonomie diskutiert. Im zweiten Themenschwerpunkt ‘Ist Prävention ein gutes Investment?’ werden ökonomische Aspekte der Prävention analysiert. Dabei werden z.B. Verhaltens- versus Verhältnisprävention sowie die Sinnhaftigkeit von Vorsorge- und Screeningmaßnamen betrachtet. Das dritte Themengebiet ‘Seltene Erkrankungen in Not?’ beleuchtet die Besonderheit die Besonderheit seltener Erkrankungen im Vergleich zu Volkskrankheiten und zeigt Finanzierungs- und Vorsorgedefizite auf. Außerdem werden die durch die Orphan Drug-Regelungen gewährten Anreize zur Entwicklung von Arzneimitteln für seltene Erkrankungen sowie ethnische Aspekte von Priorisierungsentscheidungen diskutiert.


Von einer Behörde zu einem markt- und kundenorientierten Unternehmen. Wandel der Telekom jetzt als Buch erschienen

Der Wandel der Deutschen Telekom von einer Behörde zu einem markt- und kundenorientierten Unternehmen ist das Thema eines Werkes, das jetzt veröffentlicht wurde. In dem 428 Seiten starken Buch werden zunächst die externen Einflüsse, der sich die Telekom zu stellen hat und hatte dargestellt. Hierzu gehören neben der Geschichte der Telekommunikation sowie ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft und das Individuum auch die Postreformen, die Regulierung sowie die weltweite und nationale Marktentwicklung des Telekommunikationssektors.

Das Werk beginnt mit einem historischen Überblick über die allgemeine Entwicklung der Telekommunikation und deren gesellschaftliche Auswirkungen.
Bereits in dem historischen Abriss wird deutlich, dass Telekommunikation kein neutrales Medium darstellt, sondern durch den Stand der technischen und organisatorischen Entwicklung Strukturen vorgegeben werden, in denen der Einzelne agieren muss. Einen Kernpunkt stellt hierbei beispielsweise der Umgang von Kindern, Jugendlichen und Senioren mit den modernen Errungenschaften der Telekommunikation dar.
Für die Gegenwart und vor allem für die Zukunft wird durch die Konvergenz der Telekommunikation deutlich, welche Potentiale damit verbunden sind: bisher unabhängig operierende Branchen wie Medien, Telekommunikation oder Informationstechnologien wachsen immer mehr zusammen.
Dargestellt werden auch die drei Stufen der Postreform in den neunziger Jahren, die die wesentliche Voraussetzung für den Wandel der Behörde Deutsche Bundespost zu einem privatwirtschaftlich geführten Unternehmen – der Deutschen Telekom AG – darstellen.
Neben den Zielsetzungen, Prinzipien und Instrumenten der Regulierung des Telekommunikationsmarktes wird die Internationalisierung der Märkte in die Analyse einbezogen und am Beispiel ausgewählter Länder erörtert.
Als weitere Rahmenbedingung des Wandels der Telekom wird die technische und wirtschaftliche Entwicklung des weltweiten und deutschen Marktes für Information- und Kommunikationstechnologie ausführlich dargestellt.
Im Hauptteil des Buches wird der Wandel der Telekom, strukturiert nach den fünf Themenfeldern Vision und Strategie, Finanzen, Innovation und Lernen, Kundenperspektive sowie Prozesse und Meilensteine der Organisation eingehend dargestellt. Eine Vielzahl interner Maßnahmen, basierend auf den Zeitraum von 1995 bis heute, wird anhand ausgewählter Hypothesen dahingehend untersucht, inwieweit der Wandel der Telekom von einer Behörde zu einem markt- und kundenorientierten Unternehmen bereits vollzogen ist.
Autor des Buches ist Wolfgang Brnjak. Es eignet sich ebenfalls als hervorragendes Nachschlagewerk zur Geschichte der Telekommunikation im Allgemeinen und der Deutschen Telekom im Besonderen. Dabei werden auch komplexe Sachverhalte (wie bspw. Technologien und Regulierung) gestreift und für Jedermann verständlich erklärt.


Vom Behandlungszwang zur Freiwilligkeit - Thema und Entstehungshintergrund
Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die Dissertation des Autors, die er bei Prof. Dr. Jens Weidner, einem der AAT- Initiatoren, und Prof. Dr. H. E. Colla erstellte. Mit dem Thema Anti-Aggressivitäts-Training beschäftigt sich der Autor seit Jahren, auch theoretisch in diversen Fachbeiträgen. Dieses Training richtet sich an die Zielgruppe Mehrfach Gewalttäter und wird stationär in Justizvollzugsanstalten und ambulant von verschiedenen Trägern durchgeführt.

Autor
Der Autor verfügt als Dipl.-Sozialpädagoge mit zertifizierter Anti-Aggressivitäts-Trainings Ausbildung über mehrjährige Erfahrung in der Durchführung und Leitung von AAT- Trainings in verschiedenen Einrichtungen. Er ist für den Verein Nordlicht e. V. Hamburg tätig.

Aufbau und Inhalt
Das vorliegende Buch ist in sechzehn Kapitel mit zum Teil mehreren Unterkapiteln, dem obligatorischen Literaturverzeichnis und einem umfangreichen Anhang gegliedert. Als Dissertation ist es verständlicher Weise wissenschaftlich orientiert. Die extrem kleine Schrift erinnert an das Kleingedruckte in Verträgen oder Beipackzetteln und lässt das Lesen leider zur Anstrengung werden. Die Sprache ist anspruchsvoll und mit vielen Fachbegriffen und Fremdwörtern gespickt. Bedingt durch den Gesamtumfang und die zahlreichen Unterkapitel kann hier nicht auf alles eingegangen werden.

Im ersten Kapitel, der Einleitung, stellt Schawohl unter anderem die Ziele der vorliegenden Arbeit dar. Um „nächste Male“ hinsichtlich neuer Täterschaften in der Jugendkriminalität zu vermeiden oder zumindest zu verringern, soll evaluiert werden, was 14-21 Jährige dazu motiviert, an einem Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) beziehungsweise Coolness-Training (CT) teilzunehmen oder auch abzubrechen. Es soll der Frage nachgegangen werden, wie sich beim Klienten aus einer sekundären Behandlungsmotivation eine primäre entwickeln und wie aus dem Interventionsrecht des Trainers eine Interventionserlaubnis des Klienten werden kann. Außerdem soll ein Beitrag zur Qualifizierung des Curriculums geleistet werden. Bisherige Untersuchungen haben das AAT als Ganzes zum Gegenstand gehabt und nicht nach einzelnen Programmbestandteilen differenziert. Schawohl möchte zu einer Qualitätsverbesserung beitragen, indem er die Forschung um den Aspekt der Haltequoten oder eventuell erforderliche Modifikationen während der Integrationsphase des Trainings erweitert.

Im zweiten Kapitel wird die historische Entwicklung des AAT- Trainings als ambulante Maßnahme für Jugendliche und junge Heranwachsende, aggressive Wiederholungstäter dargestellt. Es wird auf die Wurzeln des Trainings eingegangen, die im Psychodrama (Moreno), der Verhaltens- und Gestalttherapie (Pearls), der Provokativen Therapie (Farrelly) und der Konfrontativen Therapie (Corsini) liegen.

Im dritten Kapitel wird auf theoretische Erklärungsansätze und psychologische Theorien und ihre methodischen Ableitungen eingegangen, die für das Training eine Bedeutung haben (Lerntheorie, Verhaltenstheorie, Relevante Aspekte der Glenn Mills Schools, Kognitive Psychologie, Rational-emotive Therapie, Moralisches Bewusstsein).

Das vierte Kapitel behandelt die methodischen Grundlagen der für das Curriculum des Trainings relevante Faktoren (Konfrontative Therapie als Basis für eine konfrontative Pädagogik, Provokative Therapie, das Geschlechtsrollenseminar, das Rollenspiel und der „heiße Stuhl“ welcher auf ein Element aus der Gestalttherapie zurückgeht).

Im fünften Kapitel werden kriminalitätstheoretische Aspekte dargestellt (die Anomietheorie, die Subkulturtheorie, die Theorie des differentiellen Lernens, die Kontrolltheorien, der Etikettierungsansatz).

Das sechste Kapitel setzt sich mit den Begriffen Gewalt, Gewaltbereitschaft und Gewalttätigkeit bei Jugendlichen und jungen Heranwachsenden als Folge von Aggressivität und Aggression auseinander.

Im siebten Kapitel geht es um neurowissenschaftliche Erkenntnisse hinsichtlich der Bedeutung der Spiegelneurone. Diesbezügliche Annahmen und Erkenntnisse der Neurologie sind sehr bedeutsam für die Arbeit mit der Klientel der Mehrfachgewalttäter.

Das achte Kapitel mit mehreren Unterkapiteln setzt sich mit den beiden wesentlichen Fragestellungen der Motivationsforschung auseinander, nämlich wonach Menschen streben und woher dieses Streben rührt. Außerdem wird dem Ziel und Zweck und dem Ursprung menschlichen Handelns mit Hilfe verschiedener Theorieansätze nachgegangen. Unter diesen Aspekten werden u. a. auf die Bedeutung der Motivierung der Probanden durch das AAT-Team, der Beziehung Trainer/Trainerin- Proband, der Autorität der Trainer und Trainerinnen und die Entwicklung von der sekundären zur primären Behandlungsmotivation eingegangen.

Das kurze neunte Kapitel erläutert eine wichtige Grundvoraussetzung des AAT-Trainings nämlich die andauernde Wertschätzung des Probanden als Mensch, bei, gleichzeitiger Ablehnung der Gewaltbereitschaft. Es geht um die Tatkonfrontation, nicht um die Verunglimpfung des Täters. Nur wenn dies glaubhaft vermittelt werden kann, ist eine Möglichkeit gegeben, vom Interventionsrecht zur Interventionserlaubnis zu gelangen.

Im zehnten Kapitel wird auf diverse Kritiken am AAT-Training und an der Konfrontativen Pädagogik eingegangen. Der Autor argumentiert gegen Unterstellungen, das AAT-Training sei eine „unpädagogische Disziplinierung, Dressur und Unterwerfung“ oder eine „psycho-terroristische Sonderbehandlung“ durch einen „Folterknecht“, um nur zwei Beispiele aus den vielfältigen Kritiken herauszugreifen.

Ab dem elften Kapitel stellt Schawohl detailliert seine Forschung dar. So wird hier zuerst erläutert, dass die Evaluationsdaten über das qualitative Verfahren erstellt worden sind.

Im zwölften Kapitel wird das qualitative Interview als zentrale Datenbasis vorgestellt und auf das durchgeführte Experteninterview als eine Anwendungsform des Leitfadeninterviews eingegangen. Der Verfasser hat sich für das durch Leitfaden strukturierte teil-standardisierte Interview entschieden. Des Weiteren wird hier der Leitfaden des Interviews beschrieben.

Das dreizehnte Kapitel geht auf die Entscheidung des Tonbandmitschnitts der Interviews mit nachfolgender Transkription, den Umgang mit den Daten und den Zugang zu den Interviewpartnern ein.

Im vierzehnten Kapitel wird die Klientel des AAT-Trainings beschrieben, so die biographischen Daten der Interviewten, deren Altersstruktur, Nationalität, Deliktstruktur und die Verweildauer der Abbrecher. Als „Experten“ werden zwei Gruppen von jeweils 15 AAT- Absolventen und 15 AAT- Abbrecher interviewt. Für das Interview und die Auswertung der Daten ist der Autor verantwortlich und dieser kennt die Interviewten aus AAT-Trainingskursen, die er geleitet hatte.

Das fünfzehnte Kapitel beschäftigt sich mit der Analyse der Interviews und geht u. a. jeweils auf die individuellen Bewertungsdispositionen der AAT-Absolventen und der AAT- Abbrecher und die Motivationsfaktoren der jeweiligen Gruppe ein. Als Motivationsfaktoren für die Absolventen wurden u. a. neben der sekundären Motivation (Haftvermeidung, Bewährungsstatus erhalten, Auflagen erfüllen) die konkret erwarteten Vorteile (Stressvermeidung durch neue Verhaltensalternativen, Eröffnung oder Beibehaltung einer guten Perspektive), das Erleben einer positiven Gruppenatmosphäre mit positivem Nutzen und das korrekte und kompetente Verhalten des AAT-Teams genannt. Bei den Abbrechern standen wohl u. a. Drogenkonsum und negativer Peergruppen-Einfluss der Teilnahme im Wege. Laut Befragungsergebnis stand das Ausscheiden nicht mit dem AAT-Team in Verbindung.

Im sechzehnten Kapitel folgen die Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die zukünftige Praxis des AAT-Trainings. Justizieller Druck bewirkt Teilnahmebereitschaft, dieser sollte also weiter ausgeübt werden, damit erst einmal die sekundäre Motivation vorhanden ist. Da die Entscheidung für das Training oder das Abbrechen schon zu Beginn oder zumindest in den ersten Wochen feststand, soll ein größeres Gewicht auf die Vorgespräche mit den Probanden gelegt und die Inhalte modifiziert werden. Da „sowohl eine Intensionsbildung als auch eine Intensionsbindung durch das AAT-Team positiv beeinflusst werden kann“, wäre daraus zu folgern, dass die „Qualitätssicherung des Personals gleichzeitig die Qualitätssicherung der Maßnahme selbst bedeutet“ (vgl. S. 194).

Nach dem sich anschließenden Literaturverzeichnis folgen die umfangreichen Anlagen zur Dissertation.

Diskussion

Wie schon erwähnt, ist das vorliegende Buch die Veröffentlichung einer Dissertation, sehr wissenschaftlich gehalten und mit vielen Fachbegriffen und Fremdwörtern versehen. Es verlangt vom Leser Interesse an der sehr speziellen Thematik, setzt fachliches Wissen voraus und hohe Konzentration, nicht zuletzt wegen der sehr kleinen Schrift. Für Leser, die schon mehr zu dem Thema AAT gelesen haben, bietet diese Arbeit teilweise bekannte theoretische Aspekte, gut dargestellt, aber auch hochinteressante neue, wie Kapitel sieben über die Spiegelneurone. Da Mehrfach Gewalttäter meist über Auflagen und Zwang in die Anti- Aggressivitäts-Trainings gelangen, ist es eine ungemein wichtige Frage, wie aus diesem Zwang eine Freiwilligkeit werden kann. Dieser Frage ist Schawohl nachgegangen und hat das gesteckte Ziel erreicht. Er hat auch eindeutig einen Beitrag zur Qualifizierung des Curriculums des AAT beigetragen, einen Anstoß gegeben. Es bleibt aber abzuwarten, ob diese Erkenntnisse auch eine Beachtung und Umsetzung bei den Verantwortlichen für die Ausbildung neuer Trainer und Trainerinnen finden werden. Aus eigener Erfahrung mit der Ausbildung zur AAT- Trainerin kann ich wohl bestätigen, dass von den Ausbildern immer wieder auf die Vorraussetzung einer gelungenen Beziehung zwischen Trainer und Proband hingewiesen wurde, aber die Persönlichkeit der Trainer, ethische Grundsätze, Macht und Machtmissbrauch, Übertragung und Gegenübertragung waren entweder kein Thema oder hatten keinen wirklichen Stellenwert in der Ausbildung. Stattdessen musste jeder Teilnehmer eine Pressemitteilung vor der Gruppe präsentieren, falls einmal ein Interview in einem spektakulären Fall auf sie zukäme. Eine von R. Kilb(„Weshalb und wozu „Konfrontative Pädagogik“, AAT und CT? In: R. Kilb u.a.: Konfrontative Pädagogik in der Schule. Anti- Aggressivitäts- und Coolnesstraining. Juventa Verlag Weinheim und München 2006) durchgeführte Umfrage an in dieser Methode ausgebildeten Fachkräften ergab, dass „nur sehr wenige der Befragten den kritischen Umgang mit Macht, also mit der eigenen Macht in einem solchen Training als wichtigen Handlungsfaktor thematisierten“ (S. 50). Er bemerkt folgerichtig, dass diesbezüglich einer qualifizierten Ausbildung und regelmäßigen kollegialen und supervisorischen Reflexion eine große Bedeutung zukommen muss. Mit dieser Methode geht der Trainer so nah an die Psyche des Probanden heran und überschreitet teilweise Grenzen, kann unvorhergesehen psychische Prozesse in Gang setzen, dass meiner Meinung nach Qualitätsstandards für die Ausbildung der Trainer ähnlich derer von seriösen Therapeutenausbildungen entwickelt werden müssten. Seit einigen Jahren sollen die Ausgebildeten wohl zur Qualitätssicherung alle zwei Jahre ein zweitägiges Seminar besuchen, um die Methode und ihr eigenes Arbeiten zu reflektieren und auf Modifikationen hin zu überprüfen, aber das scheint mir, der Sache nicht gerecht zu werden.

Schawohl legt wohl dar, dass er nur Kritiken anführt, in denen ein Bezug zu seinem fokussierten Kontext erkennbar ist oder sich ableiten lässt (vgl. S.114), aber gerade auf die diversen, berechtigten Kritiken an der Qualifikation der ausgebildeten AAT-Trainer geht er ebenso wenig ein wie auf die Kritik, dass mit der Methode auch starke finanzielle Interessen verbunden sind (sowohl für die Anbieter der Ausbildung als auch für die Stellen, die mit ihren Maßnahmen um öffentliche Gelder konkurrieren).

Mir drängt sich die Frage auf, ob ein unbekannter, unabhängiger, neutraler Interviewer dieselben Antworten erhalten hätte? Sicher hätte eine fremde Person eine gewisse Hürde für die Befragten dargestellt, aber unter Umständen wären einige Antworten doch anders ausgefallen. Dies soll keine Kritik sein, aber diese Gedanken kommen beim Lesen einer wissenschaftlichen Arbeit. Die vorliegende Arbeit könnte auch ein Anstoß zu einer weiteren, um die vorliegende Fragestellung hinausgehende Untersuchung sein, die von anderer Stelle, vielleicht auch mit mehr Befragten, durchgeführt werden könnte.

Mir hat das Lesen, trotz kleiner Schrift und einigen Stolpersteinen, Spaß bereitet und mich viel zum Mitdenken und Nachdenken gebracht.

Fazit
Da das vorliegende Buch die Veröffentlichung einer Dissertation darstellt und somit eine wissenschaftliche Arbeit ist, dürfte es auch nur für theoretisch vorgebildete Leser verständlich und interessant sein. Den Lesern, die diese Voraussetzungen erfüllen und an der Thematik Interesse haben, kann man das Buch in jedem Fall empfehlen. Bei allen Vorbehalten an der Methode des AAT und den Kritiken daran, ist diese in seriösen Händen ein wichtiges pädagogisches Element für die Arbeit mit Mehrfach Gewalttätern. Schawohl hat mit einer wichtigen neuen Fragestellung den Grundstein für eventuell folgende Untersuchungen gelegt, extern durchgeführt und mit noch mehr Befragten. Er kann Türen zu neuen qualitativen Standards öffnen.
Beate Sonsino


IKOM Newsletter 06-2009

Mangelhafte Verständigung und mangelndes Verständnis sind Grundprobleme der medizinischen und stationären Versorgung von Migranten. Dominique Dressler untersuchte in ihrer Arbeit anhand einer qualitativen Studie mit Experteninterviews die Auswirkungen von Kommunikationsbarrieren auf den Verlauf von Rehabilitationen. Unfälle, damit verbundene Ängste und Schmerzen, aber auch der kulturell bedingte Umgang mit Krankheiten, etwa in der Äußerung von Schmerzempfindung, werden als problematisch empfunden und können den Fortschritt der Behandlung beeinflussen. Es bedarf demnach mehr als Laiendolmetschern, um den Erfolg von Behandlungen und Therapien zu gewährleisten, vielmehr sollten Barrieren erkannt und vermindert sowie kulturelle oder religiöse Merkmale im Rahmen einer bestmöglichen Betreuung berücksichtigt werden.


Fraunhofer IRB 2009/09

Die Arbeit beschäftigt sich mit öffentlichen Freiräumen für Kinder, als Gegenstand der städtischen Freiraumplanung in Deutschland.

Es wird im Wesentlichen der Zeitraum ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, das heißt von der Entstehung der ersten öffentlichen Freianlagen für Kinder, bis Mitte des 20. Jahrhunderts betrachtet. Hierbei steht die Entwicklung dieser neuen Planungsaufgabe im gesellschaftlichen Kontext und deren Berücksichtigung innerhalb des sich entwickelden Berufsstandes der Garten- und Landschaftsarchitekten bzw. seiner fachlichen Vorläuferim Mittelpunkt des Interesses. Die Ausbildung von öffentlichen Freianlagen für Kinder beruhte im Untersuchungszeitraum auf drei grundsätzlichen Gestaltungsanlässen: 1. der Gesundheitsvorsorge und Körperertüchtigung, 2. dem Spiel und 3. der Belehrung und Unterweisung.

Nach dem jeweils herschenden poltisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetz und planerisch verwirklicht. Die Gartenkünstler des 19. Jahrhunderts nahmen sich der Gestaltung dieser Freiräume zunächst nur äußerst zögerlich an. Im Zuge der allgemeinen Reformbewegung und der Wandlung des Berufstandes wurde die Gestaltung von öffentlichen Freianlagen für im ersten. Drittel des 20. Jahrhunderts zu einer wichtigsten Gestaltungsaufgaben für die sozial orientierten Gartenarchitekten. Die Vielfalt der Lösungen reichte von der freigegebenen Rasenfläche, über den städtischen Spielplatz bis hin zum riesigen modernen Volkspark mit Spiel- und Planschwiesen. Darüber hinaus wurden weit reichende städtebauliche Konzepte entwickelt. Die Zeit des Nationalsozialismus stellte eine Zäsur dar. Die Abkehr von der Volksparkidee und dem freien Spiel sowie die Hinwendung zu neuen Bauaufgaben für Kinder und Jugendliche, die nahezu ausschließlich der Wehrertüchtigung und Indoktrination mit nationalsozialischem Gedankengut dienten, führten dazu, dass die Schaffung neuer öffentlichen Kinderspielplätzen zu einer Randerscheinung wurde und aus der Fachdiskussion der “Gartengestalter” weitgehend verschwand.


„Eine ausgezeichnete Studie, die ich sehr für Theorie und Praxis empfehle! Diese Arbeit ist ein überzeugendes Plädoyer für missionarische Gottesdienste! Sie ist noch weit mehr als das. Sie leistet eine neue und äußerst fruchtbare Verknüpfung: Einerseits wird der missionarische Ansatz der Willow Creek Community Church sorgfältig dargestellt und einer theologischen Überprüfung unterzogen; dabei wird auch die Idee und Praxis der „Seeker Services“ (bis zu ihren jüngsten Wandlungen) in Augenschein genommen. Andererseits wird milieutheoretisch die missionarische Reichweite von sucherfreundlichen und sucherorientierten Gottesdiensten ausgewertet. Indem SINUS-Milieus als Bezugsgröße gewählt werden, wird sowohl die Frage der Übertragbarkeit von missionarischen Modellen erörtert als auch die Notwendigkeit jeweils neuer milieubezogener Inkulturation betont. Schließlich liefert die empirische Studie neues Material zur Evaluation von alternativen Gottesdiensten. Das vorliegende Buch bringt die Diskussion über missionarische Gemeindeentwicklung in Deutschland ein gutes Stück voran!“
Professor Dr. Michael Herbst, Theologische Fakultät Universität Greifswald

“An excellent piece of work! I highly recommend it to all those interested in the topic of seeker-sensitive church services and the Willow Creek model as well as to those who want to learn more about the different lifestyle groups in Western societies. The detailed sociological data is unsurpassed and includes a comparison of the diversity between the cultures of Germany and the U.S. The findings are very helpful, indeed, are a must, for churches and Christian organisations who consider working in Europe and Germany in particular. And it will serve as a model to be imitated by others who seek to work elsewhere in Europe, especially in urban mission. It is rare to find a work where theological and sociological analysis are applied with such discernment.”
Dr. Derek Tidball, London School of Theology


Entwurf einer menschheitlichen Wirtschaftsordnung

Bei all dem Schwarzweissdenken, das mehrheitlich die Diskussion über die Banken- und Finanzkrise beherrscht, ist das Buch von Martin Regner geradezu eine Wohltat. Weder die sozialistische Planwirtschaft noch der globalisierte Kapitalismus sind weiterführend. Beide Systeme haben versagt: In beiden Systemen fehlt die Achtung vor der Persönlichkeit des Menschen; statt dessen regiert die Macht. In der Planwirtschaft wird sie von der Politelite und im Kapitalismus von den Finanz- und Wirtschaftseliten ausgeübt. Im Gegensatz dazu geht Regner von den menschlichen Lebensbedingungen aus. Dabei berücksichtigt er nicht nur die Bedürfnisse des einzelnen, sondern er erfasst sie in ihrer Ganzheit – in der Beziehung zum anderen Menschen – und stellt damit den Bezug zur Gesellschaft und Menschheit her. Regners analytisch hergeleitete Wirtschaftsordnung ist auf alle Menschen ausgerichtet: Sie ist menschheitlich.

Wirtschaften dürfte ziemlich genau so alt sein wie die Menschheit selbst. Aus den Zwängen der Natur heraus ergibt sich die Notwendigkeit, sich gegenseitig zu helfen bzw. miteinander zu wirtschaften. Der eine kann zum Beispiel als Bauer arbeiten, der andere als Jäger. Der Dritte kümmert sich um die Behausungen, als Schutz gegen die Wettereinflüsse. Durch diese Arbeitsteilung besteht für den einzelnen nicht mehr die Notwendigkeit, sich um jede Lebensgrundlage selbst kümmern zu müssen. Die ursprünglichste Aufgabe der Wirtschaft ist es also, die Menschen so gut wie möglich mit den für das Dasein notwendigen Mitteln zu versorgen: Die Wirtschaft ist menschheitlich ausgerichtet.

Prinzipien für eine menschheitliche Wirtschaftsordnung

Martin Regner untersucht die verschiedenen Prinzipien der Menschheitlichkeit und macht dazu wertvolle Ausführungen. Hier sollen lediglich zum ersten Prinzip – dem Freiheitsprinzip – einige seiner Gedanken wiedergegeben werden. «Der Mensch ist mit Vernunft und Gewissen begabt. […] Sein Gewissen sagt ihm, wie er richtig handeln soll oder wie er richtig hätte handeln sollen. Weil das Gewissen dem Menschen Massstäbe der Richtigkeit vorgibt, weiss er, dass es Alternativen für seine Handlungen gibt […]. Diese innere Freiheit macht das Wesen des Menschen aus und damit seine Würde […].»

Analyse schon bekannter Wirtschaftssysteme: Die soziale Marktwirtschaft

Bei seiner Analyse geht Regner von den bestehenden Annahmen zum Modell der Marktwirtschaft aus und widerlegt sie. Im folgenden sollen einige Annahmen genannt werden (in Klammern wird jeweils der Widerspruch aufgeführt):
• Auf dem Markt gibt es unendlich viele Anbieter und unendlich viele Nachfrager; der Preis bildet sich auf Grund von Angebot und Nachfrage. (In Wirklichkeit ist die Zahl der Anbieter und Nachfrager auf jedem Markt endlich.)
• Die Marktteilnehmer verfügen über vollständige Information. (Tatsächlich müssen die Informationen erst beschafft werden; es entstehen Zeitverluste.)
• Die auf den Märkten angebotenen Leistungen sind homogen und austauschbar. (Je nach Anbieter sind die Leistungen zum Teil jedoch sehr verschieden.)

Regner entlarvt das Modell der Marktwirtschaft als Ideologie, die sich in der Praxis – vor allem in Form des Neoliberalismus – äusserst negativ auf Mensch und Umwelt auswirkt. Oberstes Ziel ist die Gewinnmaximierung; die Schere zwischen Arm und Reich wird immer grösser. Regner ist mit seiner Kritik keineswegs allein. Unter anderen zitiert er den Ökonomen Wilhelm Röpke, der auf den wesentlichen Mangel des ausschliesslichen «Marktdenkens» hinweist. Beispielhaft nennt Röpke Moral, Recht, natürliche Bedingungen der Existenz und des Glücks, Staat und Politik. Röpke weiter: Das Wirtschaftsleben ist «dauernd in Gefahr, die ethische Mittellage zu verlieren, wenn es nicht von starken moralischen Stützen getragen wird».

Der globalisierte Kapitalismus

Im weiteren untersucht Regner die folgenden Problembereiche:
• Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus auf die soziale Marktwirtschaft Deutschlands
• Arbeitslosigkeit und Herrschaftsverhältnisse in der sozialen Marktwirtschaft
• Ursachen und Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus (Heuschrecken u.a.).

Auf die sehr interessanten Beispiele, die Regner im Detail beschreibt, kann im Rahmen dieser Rezension nur hingewiesen werden. Zum globalisierten Kapitalismus schreibt er sehr treffend: «Die […] Liberalisierung führt Systeme herbei, die den Namen Rechtsordnung nicht mehr verdienen und wirtschaftliche Entwicklungen, die viele Verlierer und nur wenige Gewinner haben. Den Staatsorganen kommt in diesen Systemen zunehmend die Aufgabe zu, statt den Interessen des Volkes zu dienen und zu versuchen, einen gerechten Ausgleich zwischen Verlierern und Gewinnern […] herzustellen, die Verlierer […] ruhigzustellen sowie mit Kontrolle und Gewalt zu disziplinieren, um Konflikte zwischen Gewinnern und Verlierern nicht offen ausbrechen zu lassen.»

Entwurf einer menschheitlichen Wirtschaftsordnung

Nach Auffassung des Autors kann es nicht darum gehen, eine andere Wirtschaftsordnung zu entwickeln. Vielmehr braucht es eine neue Wirtschaftsordnung: Sie muss den Prinzipien der Menschheitlichkeit entsprechen. Regner entwirft das Konzept einer Sozial-Produktivgenossenschaft, die folgende Hauptmerkmale aufweist:
• Genossenschaften verfolgen das Ziel der kollektiven Selbsthilfe.
• Sie sind selbstbestimmte, selbstverwaltete und freiheitliche Organisationen.
• Genossenschaften befinden sich in Privateigentum. Unabhängig von der Höhe der Kapitaleinlage hat jedes Mitglied das gleiche Stimmrecht von einer Stimme.

Martin Regner belegt überzeugend die Vorteile der Produktivgenossenschaften. Er greift die Kernprobleme menschlichen Zusammenlebens auf – zum Beispiel die Trennung zwischen Herren und Knechten – und entwickelt realisierbare Vorschläge. «Ganz entscheidend für die Menschheitlichkeit der entworfenen Wirtschaftsordnung ist, dass es durch sie möglich ist, die Wirtschaft zu demokratisieren und das Grundrecht auf Selbstbestimmung […] auch in den Unternehmen zu verwirklichen.»

Regner beschäftigt sich auch eingehend mit der Umsetzung seines Modells in die Praxis. Produktivgenossenschaften beruhen auf dem Grundgesetz (Artikel 15ff.). Aus rechtlicher und funktioneller Sicht steht der Umstellung der Wirtschaftsbetriebe und -unternehmen in Produktivgenossenschaften nichts entgegen. Regner bemerkt dazu jedoch: «Eine Einführung der entworfenen Wirtschaftsordnung in Deutschland erscheint […] nur möglich, unter gleichzeitiger Überwindung des in Deutschland real existierenden Parteienstaates, weil der Wille der Menschen sonst nicht zur Geltung kommen kann.»

Die Konsequenz, mit der Martin Regner sein Modell bis hin zur gesellschaftlichen Einführung vorlegt, ist äusserst beeindruckend. Klar wird, dass nicht die mangelhafte Funktionalität des Modells, sondern die Machtfrage bei der Umsetzung das Problem ist. Seine Ausführungen sind dennoch von grosser Bedeutung, denn er hat mit sachlichen Argumenten, die auf sehr gutem Detailwissen aufgebaut sind, überzeugend das Ziel aufgezeigt: eine menschheitliche Wirtschaftsordnung. Daran sollten sich Politiker orientieren, anstatt zu versuchen, ein krankes System zu retten. Die globalisierte Wirtschaft – der Neoliberalismus – ist nicht zu retten. Es braucht eine tiefergehende Umkehr hin zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung und Ethik. Martin Regner hat dazu einen sehr lesenswerten Vorschlag unterbreitet."
Gisbert Otto


Durch den Abschluss einer Erntemehrgefahrenversicherung haben Landwirte in einigen Ländern die Möglichkeit, sich vor Preis- und Ertragsrisiken zu schützen und somit ihre Einkommen WTO-konform und produktionsneutral zu stabilisieren. Verschiedene Kulturen können durch die Erntemehrgefahrenversicherung gegen nahezu alle Naturgefahren, wie z. B. Dürre, Starkniederschlag und Frost, versichert werden. Bei der Erntemehrgefahrenversicherung trägt der Staat das Grundrisiko und verbillgt durch staatliche Zuschüsse die Prämien. Zur Zeit gibt es in Deutschland noch keine staatliche geförderte Erntemehrgefahrenversicherung.

Das Ziel dieser Arbeit ist, das Risikoverhalten der Landwirte zu untersuchen und festzustellen, wie Landwirte in Deutschland auf eine Einführung einer Erntemehrgefahrenversicherung reagieren würden. Hierbei stellt sich vor allen die Frage, wovon der Abschluss einer Erntemehrgefahrenversicherung abhängt und ob sich Landwirte in Bezug auf ihr Risikoverhalten in Gruppen einteilen lassen. Um diese Zahl zu erreichen, ist die Arbeit in drei Teile (Kapitel 2 bis 4) gegliedert.

Als Grundlage für die durchgeführte Untersuchung wird in Kapitel 2 die Risikosituation in der deutschen Landwirtschaft beschrieben. Hierzu wird zunächst der dieser Arbeit zugrunde liegende Risikobegriff und ein Überblick über die verschiedenen Risiken und Risikomanagementinstrumente gegeben. Zudem werden die Gründe für die steigende Anfälligkeit der Betriebe gegenüber Wetterrisiken erläutert. Daran anschließend wird auf das Risikoverhalten von Landwirten eingegangen. Das Kapitel 2 abschließend werden Versicherungen als Mittel zur Risikoreduktion dargestellt. Eine genaue Beschreibung der Erntemehrgefahrenversicherung liefert das Kapitel 3. Nachdem in Kapitel 2 und 3 die Grundlagen in Bezug auf das Risikoverhalten und die Erntemehrgefahrenversichrung gelegt wurden, wird in Kapitel 4 anhand einer qualitativen Studie die Einstellung deutscher Landwirte zur Erntemehrgefahrenversicherung genauer erforscht.
Andrea Uber / Inga Krebs


Verhandlungen des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg 139. Band

Zuerst einmal ist ein hocherfreuliches Ereignis zu begrüßen: Nach 32 Jahren erscheint erstmals wieder eine brandenburgische Lokalflora! Das lässt die Hoffnung zu, stimulierend auf weitere kurz vor der Vollendung stehende sowie einige geplante Floren und Kartierungsvorhaben zu wirken, wenngleich damit der Rückstand in der floristischen Erfassung in unserem Vereinsgebiet gegenüber den anderen ostdeutschen und einigen weiteren Bundesländern nicht so schnell aufgehoben wird.

“Märkische Schweiz” auch wenn man unwillkürlich an FONTANES Spöttelei angesichts der Schweiz Sucht der Brandenburger: Die Schweize werden auch immer kleiner…" erinnert wird der Begriff steht für eine besonders abwechslungsreiche, vielgestaltige und deshalb als Ausflugsziel und Naherholungsgebiet insbesondere bei den Berlinern seit langem beliebte Landschaft, die natürlich auch die märkischen Botaniker immer wieder anzog. So gab es eine Vielzahl von floristischen Einzelbeobachtungen, auch Exkursionsberichte des Botanischen Vereins, jedoch bisher keine zusammenfassende Gebietsflora. Der in den 1950er Jahren gestartete Versuch, eine solche Flora zu erarbeiten, wurde wieder abgebrochen, es blieb nur bei veröffentlichten Ergebnissen von “Vorarbeiten” zur Flora und Vegetation der näheren Umgebung von Buckow, einer lediglich ca. 40km2 umfassenden Teilfläche (DÜLL 1960). J. HOFFMANN, in der Region ansässig, hat nun seine in über zwei Jahrzehnten gesammelten Beobachtungen mit allen nachweisbaren historischen und neueren Fundangaben zur ersten Gesamtflora des 1990 auf einer Fläche von 205 km2 als “Naturpark Märkische Schweiz” ausgewiesenen Gebietes zusammengestellt. Mit der Veröffentlichung wird auch der etwas missliche Zustand beendet, dass die diesbezüglichen, bereits in den Jahren 1995 (Flora) und 2000 (Verbreitungskarten) vom Autor herausgegeben und mehrfach zitierten Vorarbeiten lediglich im Selbstverlag erschienen und kaum allgemein zugänglich waren.

Der eigentlichen Artenliste vorangestellt wird eine Vorstellung des Gebietes mit kurzen Kapiteln zu Geologie und Geomorphologie, Böden, Hydrologie und zur potentiellen natürlichen Vegetation sowie mit etwas ausführlicheren Beschreibungen der wichtigsten Biotoptypen und des Klimas im Gebiet einschließlich je eines Abschnittes über kleinklimatische Aspekte und naturgemäß etwas spekulative Aussagen zu künftigen Klimatrends berufsbedingt ein spezielles Interessensgebiet des Autors.

In die Florenliste aufgenommen wurden alle im Gebiet wildwachsenden Arten, dazu einige Forst und Ziergehölze sowie eine ganze Reihe bisher nur sehr vereinzelt und oft lediglich in unmittelbarer Siedlungsnähe unbeständig verwildert aufgefundene Zier und Nutzpflanzen, was aber angesichts der zunehmenden Einschleppung und möglichen dauerhaften Ansiedlung auch solcher Arten durchaus sinnvoll erscheint. Insgesamt wurden so 1329 Arten erfasst, eingeschlossen auch einige Sippen kritischer Gruppen (z. B. Rubus Arten), die insgesamt bisher aber erst ansatzweise untersucht werden konnten.

Der jeder Art zugeordnete Text beginnt jeweils mit einer Kopfzeile mit folgenden formelartig aufgeführten Artcharakteristika: Häufigkeit, Zeitraum des Erstauftretens, Etablierungsgrad, aktuelles Vorkommen und Etablierung auf Standorten unterschiedlicher Naturnähe, Rote Liste Einstufung in Brandenburg sowie Gefährdung innerhalb des Gebietes.

Bei den Häufigkeitsangaben mittels der üblichen Einstufung in verschiedene (hier 5) Häufigkeitsgrade ist offenbar ausschließlich das “aktuelle” Vorkommen gemeint. Leider ist dieser Zeitraum aber nur etwas vage umrissen, vermutlich mit der Zeitspanne der floristischen Erkundungen des Autors, ohne genauere Jahresangaben, so dass die stattgefundenen Veränderungen innerhalb dieser, gemessen an unserer schnelllebigen Zeit, nicht gerade kurzen Spanne mit einem doch tiefgreifenden Wandel nicht immer deutlich werden. Wie sehr hier eine exakte Festlegung, vielleicht auch eine zeitliche Untergliederung, z.B. Vorkommen vor/nach 1990, wie in anderen neuen Floren oft praktiziert, wünschenswert gewesen wäre, darauf wird auch noch an anderen Stellen zurückzukommen sein. Der hier als 6. Stufe (obwohl natürlich kein “Häufigkeits” Grad sondern Rote Liste Kategorie) aufgeführten Angabe “erloschen/verschollen” ist jeweils das Jahr der letzten Beobachtung/Bestätigung hinzugefügt.

Von den Angaben, die die Stellung der Art innerhalb der Gebietsflora kennzeichnen Zeitraum des Erstauftretens, also Einstufung als indigene, archäophytische oder neophytische Sippe, und Etablierungsgrad interessiert natürlich vor allem die letztere, da das Erstauftreten außer bei einigen Neophyten allenfalls für einen größeren Raum, hier die “Mittelmark”, einigermaßen verlässlich festzulegen ist und folglich die entsprechenden Daten nur anderen Literaturquellen entnommen werden konnten. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass neben der allgemeinen Etablierung im Gebiet durch Zuordnung zu 5 Statusgruppen (nach KOWARIK 1991) die Art außerdem hinsichtlich ihrer aktuellen Etablierung auf Standorten größerer oder geringerer Naturnähe mittels Zuordnung zu 4 entsprechenden Standort /Vegetationskomplexen mit unterschiedlichem Hemerobiegrad eingeschätzt und charakterisiert wird. Am Schluss der Kopfzeile folgt die Einstufung in eine eigene Rote Liste. Obwohl sonst der Wert solcher separaten Listen für derart kleine Gebiete zu Recht bezweifelt wird, innerhalb eines Großschutzgebietes mit seinen besonderen Schutzkriterien und möglichkeiten erscheint sie durchaus angebracht.

Den eigentlichen Arttext eröffnet jeweils eine für die pflanzengeographische Analyse der Gebietsflora wichtige Zuordnung zu einer von 22 Florenelementgruppen bzw. zum Herkunftserdteil bei außereuropäischen Sippen.

Um die Wertung der Gebietsvorkommen der Art in einem überregionalen Zusammenhang zu erleichtern, wird im ersten Abschnitt des Textes ihre Häufigkeit im nordostdeutschen Flachland (Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern) genannt bzw. eine Kurzbeschreibung ihrer Verbreitung in diesem Raum gegeben. Es folgen Angaben zur standörtlichen und pflanzensoziologischen Bindung. Nicht immer ist dabei klar, beziehen sich diese ganz speziell auf das Untersuchungsgebiet, was ja in einer Lokalflora eigentlich interessiert, oder beschreiben sie allgemein das Verhalten der Art in der genannten Region. Natürlich ist beides, wie auch manche der anschließenden Fundortbeschreibungen zeigen, nicht immer deckungsgleich. Vermutlich scheiden sich hier ein wenig die Geister: Dem versierteren Floristen werden diese Kurzbeschreibungen z. T. zu allgemein und zu verknappt erscheinen, so dass er bei Informationsbedarf doch lieber gleich zu den für diese Texte verwendeten Originalquellen („Rothmaler“, „Oberdorfer“, Ostdeutscher Florenatlas usw.) greift. Den allgemeiner botanisch Interessierten hingegen werden sie willkommen sein. Ob aber viele von ihnen wenngleich natürlich sehr zu wünschen! sich zum Kauf des nicht ausgesprochen billigen Buches entschließen? Vielleicht hätte man hier (wie noch an anderen Stellen, siehe weiter unten) durch einige Kürzungen etwas „sparen“ können oder aber es wäre möglich gewesen, dem gewichtigen Band bei gleichem Preis wenigstens einen festen Einband zu spendieren; das Exemplar des Rezensenten jedenfalls, der es freilich aus gutem Grund schon recht oft in die Hand genommen hat, zeigt bereits deutliche Gebrauchsspuren.

Der zweite Textblockteil mit den gebietsbezogenen Daten bringt teils ausführliche Fundortangaben, bei den selteneren Arten alle bekannt gewordenen, bei den häufigeren, z. T. sogar bei sehr häufigen, zumeist Beispiele in unterschiedlicher Zahl. Auch hier hätte „gespart“ werden können, natürlich abgesehen von Einzelfällen, in denen diese Beispielfundorte, da sie in der Regel verschiedenen Standorttypen zugeordnet werden, durchaus etwas über gebietsspezifische Vorkommen der Art aussagen. Andererseits wären bei einigen selteneren Arten zusätzlich zu den mitgeteilten manchmal noch weitere genauere Fund und Bestätigungsjahresangaben aus jüngerer Zeit wünschenswert gewesen, da, wie bereits erwähnt, die beiden Kategorien entweder „aktuell vorkommend“ oder aber „erloschen/verschollen“ zu wenig über den tatsächlichen Vorkommensstand mancher Arten aussagen. Auf die im „Zeitalter“ der Rasterkartierung meist üblich gewordene Nennung von Messtischblatt Teilfeldern verzichtet der Autor ganz. Zwar ist das bei einem so kleinen Gebiet sicher nicht vordringlich, jedoch erschwert es den Vergleich z.B. mit dem im Florenatlas (BENKERT et al. 1996) manifestierten bisherigen Erfassungsstand, und das Auffinden von Fundorten würde erheblich erleichtert, zumal wenn diese gelegentlich nur mit Flurnamen, die nicht unbedingt in jeder Karte enthalten sind, bezeichnet werden. Erfreulich ausführlich werden hingegen Daten und Einschätzungen der Bestandsentwicklung bei zahlreichen hochgradig gefährdeten Arten wie auch bei einigen sich ausbreitenden Neophyten mitgeteilt.

Den Abschluss der Arttexte bilden Angaben zum Blühzeitraum, eine besonders erwähnenswerte Spezialität der Flora, da sie zu einem Großteil auf eigenen Beobachtungen des Autors in seinem Gebiet beruhen und vielfach die in den gängigen Floren enthaltenen Daten präzisieren und erweitern. Eine Kennzeichnung, um jeweils unterscheiden zu können, ob es tatsächlich selbst ermittelte oder nur um übernommene Angaben sind, hätte deren Wert noch erhöht.

Eine wichtige Ergänzung zur Flora sind Punktverbreitungskarten für 272 Arten mit Symbolen für erloschene bzw. „aktuelle“ Vorkommen (aber ebenfalls ohne genauere Zeitmarken) sowie mit einer aufschlussreichen, bei anderen Kartierungen zumeist vernachlässigten Kennzeichnung der Populationsgrößen in 3 Kategorien. Nicht aussagekräftiger als die verbale Fundortaufzählung ist allerdings eine ganze Reihe von Karten mit lediglich 2 3 oder gar nur mit einem (20% der Karten!), z.T. nur einem erloschenen Vorkommen. Auch hier, wie außerdem wohl bei Farbdruck und Größe der Karten, hätte Einsparungspotential gelegen.

Umfangreiche Auswertungen der Flora Daten dienen im Schlussteil des Buches einer Einschätzung der floristischen Situation des Gebietes und daraus abgeleiteten Hinweisen auf sinnvolle Naturschutzmaßnahmen. Besonders hervorgehoben seien die Analyse des Artenbestandes nach den Anteilen an Indigenen, Archäophyten und Neophyten, die Auswertungen zum Vorkommen der Arten auf unterschiedlich naturnahen Standorten, u. a. mit dem Ergebnis, dass 95 % der Indigenen auf naturnahe Standorte konzentriert und folglich besonders gefährdet sind, sowie die detaillierten Auswertungen zum Anteil der verschiedenen Florenelemente. Angesichts des bevorstehenden Klimawandels mit mutmaßlich großem Einfluss auf gerade diesen Aspekt des Artenbestandes eine wichtige und interessante Zustandsanalyse. Die dabei besonders ins Blickfeld gerückte Bindung der einzelnen Florenelementegruppen an unterschiedlich warme Klimabedingungen lässt den Schluss zu, dass die Indigenen mit deutlich geringeren prozentualen Anteilen an Arten wärmerer Klimate gegenüber den Archäo und Neophyten bei einem allgemeinen Temperaturanstieg im Nachteil wären, noch nicht eingerechnet die zu erwartende Einschleppung und Ausbreitung weiterer Zuwanderer. Allerdings sind die ermittelten Prozentzahlen bei den Neophyten nur eingeschränkt aussagekräftig, da lediglich die europäischen Arten eingestuft wurden, nicht aber die zahlreichen amerikanischen und asiatischen als entsprechende Florenelemente in ihren Ursprungsgebieten, so dass diese nicht in die klimabezogene Auswertung mit einbezogen werden konnten. Nicht recht befriedigen kann die Analyse zur zeitlichen Veränderung der Artenvielfalt in der Vergangenheit. Zu spekulativ wird hierbei mit einem Artenbestand in den Zeiträumen vor 200 bzw. 100 Jahren umgegangen, für die es ja keine Gesamtartenlisten der Gebietsflora gibt, und zu vereinfacht werden die Veränderungen der Artenzahlen als scheinbar kontinuierlicher Prozess dargestellt werden, obwohl dieser doch eher sehr sprunghaft verlief

Hingegen enthalten die abschließenden ausführlichen Kapitel zum Artenspektrum der einzelnen Vegetationskomplexe (ungeachtet einer missverständlichen Verwendung des Begriffes “Kennarten”) sowie zum Erhalt und zur Entwicklung der Artenvielfalt eine Fülle an wertvollem Material, insbesondere für eine fundierte Planung von Arten und Vegetationsschutzmaßnahmen, Hervorzuheben ist schließlich noch ein umfangreiches Register, das nicht nur die Gattungen sondern alle Artnamen auflistet, die wissenschaftlichen wie die deutschen, und damit auch dem Nichtfachmann einen schnellen Zugriff zu der Florenliste ermöglicht.

Natürlich sollen und können die wenigen kritischen Anmerkungen den Wert der Flora und ihre Bedeutung für die Floristik in Brandenburg keinesfalls schmälern. Mit ihrer Vielzahl an Daten und deren nachahmenswerter Aufarbeitung kann sie sowohl als Informationsquelle wie auch als Anregung für eigene Arbeiten nicht nur jedem brandenburgischen Botaniker, für den sie ohnehin Pflichtliteratur sein sollte, sondern auch allen anderen floristisch Tätigen empfohlen werden. Und sicher wird sie auch dem botanisch interessierten Naturfreund und Naturschützer vielfältige Anregungen geben und dazu beitragen, sich so noch nicht längst geschehen von dem Reiz der Landschaft und dem Reichtum der Pflanzenwelt der Märkischen Schweiz gefangen nehmen zu lassen.
G. Klemm

Was an umfangreichen Erfassungen, Auswertungen und Darstellungen vom Autor unter diesem Titel zusammengetragen wurde, darf zumindest aktuell für Brandenburg als einmalig gelten. Frühere Lokalfloren für Teilgebiete Brandenburgs wie die Flora von Jüterbog und Umgebung von THÜMEN-GRÄFENDORF (1857), die Flora Lusatica von RABENHORST (1839), die Uckermark (GRANTZOW 1880), Wriezen und Umgebung (ALTMANN 1894/95) oder Frankfurt/Oder von HUTH (1909) liegen teilwise weit über 100 Jahre zurück. Spätere Lokalfloren von FISCHER (1963, 1964) für die Prignitz und das Ruppiner Land sowie KRAUSCH (1959) für den Spreewald blieben ohne weitere Nachfolger. Mit der Flora der Märkischen Schweiz ist nunmehr seit langem wieder einmal die Pflanzenwelt eines kleineren Gebietes in Brandenburg bearbeitet worden. Hierzu hat der Autor akribisch zahlreiche historische Quellen und aktuelle Erfassungen ausgewertet, Experten aus der Region einbezogen und natürlich in großem Umfang selbst Kartierungen durchgeführt. Eher zufällig zusammengetragene Beobachtungen des Autors seit 1980 wurden schließlich seit 1990 mit der Gründung des Naturparks „Märkische Schweiz“ – gleichzeitig Betrachtungsgebiet dieser Lokalflora – systematisch ergänzt. Sie mündeten zunächst 1993 in eine erste floristische Übersicht des Autors für das Untersuchungsgebiet, die bereits über 1.000 Pflanzenarten enthielt. Die nunmehr vorgelegte aktuelle Übersicht über alle vorkommenden Pflanzenarten zeugt von der außerordentlich reichhaltigen Naturausstattung der eigentlichen Märkischen Schweiz und der sie umgebenden, in den gleichnamigen Naturpark einbezogenen Gebiete. Vorkommen von insgesamt 1.329 Pflanzenarten wurden zusammengetragen und werden im Einzelnen in kurzen, aber sehr informativen Textfassungen abgehandelt. Dazu gehören allgemeine Angaben zu Häufigkeit, Gefährdung, Status, Etablierungsgrad, Vorkommen in Lebensräumen und zu Fundorten. Von 272 Arten finden sich Verbreitungskarten mit Bezug zur aktuellen Biotopstruktur sowie Angaben zur Größe der Vorkommen. Allerdings sind diese Karten aufgrund der recht schematisierten Topografie und fehlender Ortsnamen nicht nur für den in der Märkischen Schweiz unkundigen Betrachter etwas schwer nutzbar. Diesem Hauptteil des Buches sind kurze Ausführungen zur allgemeinen Naturausstattung, Klima, Böden und Geologie vorangestellt, die sehr gut in das Gebiet einführen. Dem Artenteil folgt als wesentliche wissenschaftliche Leistung eine umfangreiche Analyse des Wandels der floristischen Zusammensetzung des Gebietes der Märkischen Schweiz. Dabei werden auch die wesentlichen Etablierungszeiträume dargestellt und diskutiert sowie Vergleiche von Artvorkommen und Naturnähe der besiedelten Biotope vorgenommen. Im Anschluss werden u.a. lokalspezifische Besonderheiten hinsichtlich der Zugehörigkeit zu höheren Syntaxa (Vegetationsklassen) dargestellt. Abgeschlossen wird die Arbeit durch interessante und für die praktische Naturschutzarbeit besonders wertvolle Ausführungen und Vorschläge für den Erhalt der floristischen Artenvielfalt in der Märkischen Schweiz. Die Wirksamkeit bereits eingeleiteter wie auch künftiger Schutzmaßnahmen wird sich anhand der umfangreichen Untersuchungen zur Flora des Gebietes gut nachvollziehen lassen. Das zusätzliche mit – leider nur recht wenigen, aber sehr guten – Abbildungen von Lebensräumen und Pflanzenarten des Gebietes ausgestattete Buch ist sicher nicht nur „Pflichtlektüre“ für jeden Kenner und fachkundigen Besucher der Märkischen Schweiz. Es kann auch demjenigen empfohlen werden, der sich mit der Naturausstattung des ihm vielleicht bislang nicht oder wenig bekannten Gebietes beschäftigen will. Und das Buch kann in jedem Fall als gut gelungenes Vorbild für eine Lokalflora gelten, wie sie in solcher Form nur durch langjährige und aufopferungsvolle Fleißarbeit entstehen kann.
Dr. F. Zimmermann


Das zu besprechende Buch ist eine 2004 an der Universität Göttingen approbierte soziologische Dissertation, die sich – wie Titel und Untertitel ankündigen – mit der Frage auseinandersetzt, ob Altenheime gegenwärtig in der Bundesrepublik Deutschland als „Totale Institutionen“ im Sinne des Konzepts von Erving Goffman anzusehen seien. Heinzelmann analysiert anhand ausgewählter Parameter je ein Altenheim in „Altland“ und „Neuland“, den „alten“ und „neuen“ Bundesländern der BRD. Der Darstellung der eigentlichen Untersuchung ist eine insgesamt recht ausführliche „Hinführung“ vorangestellt, die einen Blick auf die historische Entwicklung der Unterbringung alter Menschen in speziellen Einrichtungen in Deutschland wirft, die aktuellen Rahmenbedingungen und Strukturen beleuchtet und das Image thematisiert, das Altenheime in der heutigen Gesellschaft haben. Der einführende Abschnitt wird mit einer Diskussion des Konzepts der „Totalen Institution“ und seiner Anwendung auf Altenheime in der Literatur abgeschlossen. Es folgen noch Bemerkungen zu den in der Untersuchung verwendeten Methoden – Interviews, Fragebögen, teilnehmende Beobachtungen, quantitative, vor allem demographische Daten -, ehe deren Ergebnisse im Einzelnen dargestellt werden.

Der Autor will „dicht beschreiben“, um herauszufinden, wie sich der Alltag der Bewohner und Bewohnerinnen gestaltet und von diesen gedeutet wird. Zunächst findet sich eine Gegenüberstellung von Einschätzungen der eigenen Situation vor und nach dem Einzug ins Altersheim, dann eine Diskussion der äußeren und inneren räumlichen Gestaltung der beiden Anstalten, wobei zwischen „teilöffentlichen“ und privaten Bereichen unterschieden wird. Es folgt eine Annäherung an die Lebensphase, die die Bewohner und Bewohnerinnen zwischen ihrer Aufnahme in das Altersheim und ihrem Tod durchleben, die Darstellung ihres Tagesablaufes, schließlich ihre sozialen Beziehungen untereinander, zum Personal und zu Personen außerhalb der Institution.

Anschließend setzt sich Martin Heinzelmann unter mehreren Gesichtspunkten mit der Einschätzung von Altenheimen als einer „Totalen Institution“ auseinander und kommt zum Schluss, dass diese Bewertung nicht zutreffend sei. Er weist auf Vorschläge zurück, Altenheime als eine gemäßigte „Totale Institution“, oder einer solchen ähnlich, zu bezeichnen. Sein Fazit ist, dass Altenheime – zumindest die von ihm untersuchten beide Beispiele – „ihrem Erscheinungsbild nach wie ,Totale Institutionen‘ des traditionellen Modells [wirken], ihren Auswirkungen auf den Lebensalltag nach sind sie es im Wesentlichen nicht“(S.246). Diesen Anschein versucht er mit „Pseudo-Totale Institution“ auf den Begriff zu bringen.

Heinzelmanns Studie bringt eine Fülle von aufschlussreichen empirischen Daten, die sorgfältig unter Anwendung verschiedener Methoden erhoben und behutsam interpretiert wurden. Seinem Befund, dass die von ihm untersuchten Altersheime keine „Totale Institution“ seien, ist ohne weiteres zu folgen. Wozu aber die neuerliche Begriffsbildung für eine Täuschung? Für mich als Historiker ergeben sich spätestens an diesem Punkt Bedenken gegen „theoriegeleitete“ Forschung, wie sie im vorliegendem Buch – sehr sauber – vorexerziert wird. Was bestimmt das Forschungsinteresse, erworbenes und angestrebtes Wissen, Erfahrung oder ein im Kopf eines anderen Wissenschaftlers kondensiertes Konzept (dem auch konkrete Umstände, Erfahrungen und Wissen zugrunde liegen)? Zu Recht betont Heinzelmann in seiner Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Totalen Institution“ den Wandel (z.B. S. 233f.). Waren aber Altenheime – im Lichte historischer Forschung – jemals fürsorgerische, „als harmlos geltende“ „totale Institutionen“ (vgl.S. 54, Zitat Goffman), wenn sie begrifflich zusammengefasst mit Konzentrationslagern als „totale Institutionen“ aufscheinen? Zumindest in der Geschichtswissenschaft ist in meiner Sicht der Platz von Theorien darauf beschränkt, Fragen zu provozieren. Nach der anregenden Lektüre der Studie Heinzelmanns ist diese Frage (heute) für mich: Warum spielen bei Goffman die Familie und der Markt keine Rolle, sind diese Institutionen das Außen, das harmlos ist und nicht nur als harmlos gilt?
Margarete Grandner


Vier Zuckerrübengenotypen mit heterogenen Ertrags- und Qualitätsmerkmalen und einer unterschiedlichen Einstufung hinsichtlich ihrer Trockenheitstoleranz wurden in Feldversuchen mit und ohne Beregnung gepfrüft. Trotz ihrer sehr heterogenen Ertrags- und Qualitätseigenschaften, die relevant für das Merkmal Trockenheitstoleranz sein können, reagieren die unterschiedlichen Genotypen sehr ähnlich auf mangelnde Wasserversorgung. Beregnung und Genotypen hatten einen signifikanten Effekt auf fast alle untersuchten Parameter (Rüben- und Blattertrag, Rübe-Blatt-Verhältnis, Gehalte an Kalium, Natrium, Saccharose, α-Amino-N). Eine Wechselwirkung zwischen diesen Faktoren trat nur für den Blattertrag auf. Demnach kann die Sortenwahl unabhängig von den klimatischen Gegebenheiten eines Standortes oder den Witterungsbedingungen getroffen werden. Da unter Wassermangel eine verringerte genotypische Varoation auftreten kann, scheint es sinnvoll, Sortenprüfungen auf Standorten mit ausreichender Wasserversorgung durchzuführen. Trockenheitsbedingte Veränderungen treten auch in Inhaltsstoffen auf, die bei der standartmäßigen Qualitätsbewertung mit der Braunschweiger Formel nicht berücksichtigt werden. Dies kann zu einer fehrlerhaften Einschätzung der technischen Qualität der Zuckerrüben führen. db
VEREIN DEUTSCHER ZUCKERTECHNIKER


Unternehmensmarkenstrategie. Markenstrategischer Gestaltungsraum bei der Führung von Unternehmensmarken

Der Begriff „Unternehmensmarkenstrategie“ dient der Umschreibung eines spezifischen Aspekts der Führung von Untenehmensmarken, der sich mit der markenstrategischen Entscheidung über die Verwendung bzw. Reichweite der Unternehmensmarke beschäftigt. Die Führng von Unternehmensmarken erfährt in der Marktforschung und in der Praxis wachsende Bedeutung, die nicht nur mit der zunehmenden Differenzierungsproblematik von Absatzmarken verbunden ist, sondern auch auf das vergleichsweise starke Profilierungspotenzial der Unternehmensmarke symbolische Verdichtung der Unternehmensidentität zurückzuführen ist. Trotz der spezifischen Beitragspotenziale der Grundlegende Entscheidungsregeln für die markenstrategische Nutzung der Unternehmensmarke fehlen hingegen.

Die Arbeit versucht, einen Beitrag zur Lösung dieses Entscheidungsproblems zu liefern, indem sie die Gestaltungsmöglichkeiten und Implikationen der Markenstrategie unter Berücksichtigung der besonderen Merkmale der Unternehmensmarke untersucht. Dabei wird zum einen der spezifische, markenstrategische Gestalungsraum für die Unternehmensmarke erschlossen, und zum anderen de Versuch unternommen, die relevanten Kriterien für die Entscheidung über die Verwendung der Unternehmensmarke zu identifizieren. Dazu wurdern in einer Empirie Experten aus der Indstrie unternehmensmarkenstrategischen Entscheidungen befragt. Schlagwörter zum Inhalt: Marke; Unternehmen; Corporate Identity, Brand; Strategie


Die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln ist zu einem wichtigen Instrument zur Stärkung der Lebensmittelsicherheit geworden.In den vergangenen Jahren ist in Deutschland eine Vielzahl an Systemen entstanden, die Gruppen von Unternehmen die Dokumentation und Rückverfolgbarkeit der Warenströme über die Wertschöpfungskette hinweg erleichtern sollen. Das Buch von Birgit Gampel bietet eine detaillierte Analyse über die Entstehung und Funktionsweise von Rückverfolgbarkeitssystemen in Deutschland.Konzentration erfolgt hierbei auf sog. Integrierte Rückverfolgbarkeitssysteme, bei denen kooperierende Unternehmen Informationen über den Weg der Produkte entlang der Wertschöpfungskette in einer zentralen Datenabnk sammeln und teilnehemende Unternehmen im Bedarfsfall die entsprechenden Informationen über ein Produkt abfragen können. Das Buch ist interessant für Wissenschaftler, Studenten und Praktiker, die sich einen genauen Überblick über das Thema Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln verschaffen wollen.

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel: Bitgit Gampl zeigt zurnächst Motivation und Forschungsfragen auf (Kapitel 1) und geht kurz auf die Komplexität von Lebensmittelnetzwerken ein und erläutert die gesetzlichen Grudlagen und unterschiedliche Anstätze und prinzipielle Realisierungsvarianten von Rückverfolgbarkeitssystemen und begründet die Fokusierung der Analyse auf integrierte Rückverfolgbarkeitssysteme (Kapitel 2).Über die Diskussion der aktuellen Literatur entwickelt Kapitel 3 die Hypothese für die empirische Analyse. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Diskussion von Rückverfolgbarkeit für das Vertrauen der Verbraucher in Lebensmittel sowie die Art der Kommunikation mit dem Verbraucher. Besonders interessant ist die Darstellung des Problems der Stadartisieung on Informationssystemen in Unternehmensnetzwerken, bei der unterschiedliche Netzwerktopologien charaktrisiert und mit Standardisierungsentscheidungen zur Informationsweitergabe, Entscheidungskosten sowie Mitspracherechten der Netzwerkakteure in Bezug gesetzt werden. Kapitel 4 widmet sich der Vortellung der Forschungsmethoden. Besonders interessant ist die ausführliche Diskussion der Methode Netzwerkanalyse und deren Nutzungsmöglichkeiten für die Analyse von Informationssystemen. Es wird unter der Nutzung hypothetischer Beispielnetzwerke gezeigt, welche Elemente der Netzwerkanalyse für die Untersuchung der Rückverfolgbarkeitssysteme angewendet werden. Des weiteren werden die verwendeten Methoden Kontingenzanalyse sowie binäre und multinominale logistische Regression voegestellt und die Möglichkeiten zur Interpretation von Ergebnissen aufzeigt. Kapitel 4 schließt ab mit einer kurzen Disskusion der Datenerhebungsmethoden – 32 Vertreter von Rückverfolgbarkeitssystemen in Deutschland wurden persönlcih interviewt – sowie der Operationaliesierung der Forschungshypothesen in einen standardisierten Fragebogen. Das umfangreichste Kapitel des Buches, Kapitel 5, diskutiert ausführlich die Ergebnisse der empirischen Analyse zu integrierten Rückverfolgbarkeitssystemen in Deutschland.Wichtiges Ergebnis ist, dass die Mahlzeiten der untersuchten Systeme mit dem Ziel, Konsumentenvertrauen zu stärken, etabiliert wurden, jedoch nicht mehr informationen bieten, als „allgemeine“ Rückverfolgbarkeitssysteme. Interessant ist, dass der Grad der Standardisierung im Informationsnetzwerk vor allem durch extreme Faktoren wie Anforderungendurch den Einzelhandel oder finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten beeinflusst wird. Lebensmittelverarbeitende Unternehmen sowie Systemtreiber sind die Akteure im Unternehmensnetzwerk, die den Hauptteil der Kosten für das Rückverfolgbarkeitssystem tragen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist, dass kettenumfassende Rückverfolgbarkeitssysteme den positiven Nebeneffekt einer verbesserten Produktionsplanung und koordination der gesamten Supply Chain bietet. Die Autorin diskutiert im letzten Kapitel 6 die Bedeutung der Ergebnisse für die Wissenschaft und Praxis und zeigt auf, dass besondere in der Untersuchung vob Entscheidungsstrukturen, die zur Standardisierung von Rückverfolgbarkeitsinformationen führen, interessante weitere Forschungsfragen liegen. Insgesamt liefert das Buch einen exzellenten Überblick über die Bestimmungsfaktoren der Ausgestaltung von integrierten Rückverfolgbarkeitssystemen in Deutschland. Für Leser, die sich für dieses Buch interessieren, könnten auch die POIGNÉE (2008) sowie HANNUS (2008) interessante weitere aktuelle einblicke in den Themenkomplex Rückverfolgbarkeit in Lebensmittelwerken bieten.
Zeitschrift Agrarwirtschaft 57 (2008), Heft 7